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Polizei : Fahrerflucht nimmt zu: 50 bis 60 Fälle pro Monat

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Immer mehr Unfallfahrer suchen in Neumünster das Weite

von
erstellt am 10.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Neumünster | Der jüngste Fall ereignete sich erst am vergangenen Montag: Als eine Radlerin (17) am Vormittag gerade die Geerdtsstraße auf Höhe des Junglöwweges überqueren wollte, fuhr ein an der Ecke stehender Wagen plötzlich los, streifte die junge Frau und brachte sie zu Fall. Die Radlerin verletzte sich leicht. Der Autofahrer fuhr davon. Jetzt wird er wegen Fahrerflucht von der Polizei gesucht (der Courier berichtete). Die Sache ist kein Einzelfall. Rund 50 bis 60 ähnliche Vorfälle zählt die Polizei im Durchschnitt pro Monat. Tendenz leicht steigend. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden schon 307 Taten angezeigt. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum 277 – also zirka zehn Prozent weniger.

Laut Polizeipressesprecher Rainer Wetzel kracht es am häufigsten auf Großparkplätze vor Super- oder Elektromärkten sowie Einkaufszentren.

Mal wird ein Spiegel abgefahren, mal eine Beule oder ein Kratzer im Lack zurückgelassen – und der Verursacher gibt einfach Gas. „Die Konditionen haben sich geändert. Viele Autos sind gewachsen, nur die Parkbuchten nicht. So kommt es zu den meist kleineren Unfällen“, meint Wetzel. In sehr seltenen Fällen merkt der Verursacher den Zusammenstoß tatsächlich nicht. Meist ist diese Variante aber eher „die beliebteste Ausrede“, wissen die Ermittler. „Man registriert ja in der Regel schon, wenn man mit dem Auto irgendwo gegen fährt“, sagt der Polizeisprecher.

Stattdessen haben die Ermittler seit einigen Jahren durchaus den Eindruck, „dass die Gleichgültigkeit bei vielen Verkehrsteilnehmern zunimmt“. Frei nach dem Motto: „Der kleine Kratzer ist ja nicht so schlimm. Und außerdem hat es ja keiner gesehen.“

Doch das kann unangenehm werden. Immerhin sieht Paragraf 142 des Strafgesetzbuchs für sogenanntes „unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“ eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor. Und dass die Sache unentdeckt bleibt, ist längst nicht garantiert. Auch in Neumünster melden sich Zeugen von Parkplatzrempeleien oder ähnlichen Aktionen vermehrt bei den Opfern oder der Polizei, was die Aufklärungsquote deutlich erhöht.

Die Gründe für eine Unfallflucht sind laut Polizei vielfältig – auch wenn die Verkehrsteilnehmer in der Regel versichert sind und somit keine großen Kosten nach einem Unfall scheuen müssten. Allerdings fürchten viele Fahranfänger Nachteile für ihren Führerschein auf Probe. Senioren hingegen haben Angst, plötzlich als nicht mehr fahrtüchtig zu gelten. Beide Sorgen hält Rainer Wetzel für unbegründet. „Die Vorfälle werden von uns ganz normal aufgenommen“, so der Polizeisprecher. Ein weiterer Grund für manchen Verkehrsteilnehmer, nach einem Zusammenstoß das Weite zu suchen, ist der Alkohol. „Diese Fahrer haben dann aber in der Regel nicht wenig getrunken“, weiß Rainer Wetzel.

Wer nicht die Zeit hat, erst einmal 30 Minuten vor Ort auf den Unfallgegner zu warten, kann die Polizei auch sofort per Handy über sein Missgeschick informieren. „Das reicht schon aus“, so Wetzel. Besonders wichtig ist es nach Auskunft der Polizei, sich bei Unfällen mit den Kindern, älteren Leuten oder Behinderten nicht einfach nach kurzer Rückfrage aus dem Staub zu machen. „Oft sagen gerade diese Personengruppen im ersten Schock, dass ihnen gar nichts passiert sei. Und hinterher stellt sich alles viel schlimmer dar“, erklärt der Polizeisprecher.

Die Hauptsaison für verantwortungslose Unfallfahrer kommt übrigens in diesem Jahr noch: In der Weihnachtszeit, wenn viele Leute noch schnell Geschenke einkaufen wollen, passieren laut Polizei die meisten Missgeschicke – am Steuer und manch Verursacher gibt dann einfach Gas.

Unfallflucht: Daten und Fakten:

Unfallflucht kann üble Folgen haben. Wer nach einem Zusammenstoß einfach wegfährt, begeht eine Straftat und riskiert eine Freiheitsstrafe  bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe (Paragraf 142 StGB). Denn:  Nicht immer ist für den Laien auf den ersten Blick sichtbar, ob durch einen  Unfall  an einem anderen Fahrzeug, an einem Schild, einer Mauer, einem Poller oder ähnlichem ein Schaden entstanden ist.  Auch gesundheitliche Beeinträchtigungen können manchmal oft erst deutlich nach dem Geschehen auftreten. Daher reicht es nicht aus, nur einen kurzen Blick auf die Unfallstelle zu werfen beziehungsweise nur ein kleines  Gespräch mit dem Unfallgegner zu führen. Stattdessen muss der Verursacher stets seine Personalien angeben. Auch wer einen  Zettel mit einer Handynummer an den Scheibenwischer  des Unfallgegners  klemmt, kann noch Probleme bekommen. Wind oder Regen könnten zum Beispiel die Informationen vernichten. 

Nach dem Unfall ist es laut Gesetzgeber zumutbar, 30 Minuten vor Ort auf den Unfallgegner zu warten. Taucht der nicht auf, ist es am sichersten, die Polizei zu rufen und den Vorfall zu schildern.

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