Neumünster : Fachkräftemangel bremst Firmen aus

In Wirtschaftsfragen ziehen Günter Kohl (MIT, von links), Gisma-Gründer Manfred Maletzky, Karl-Sebastian Schulte und Gisma-Geschäftsführer Tobias Frerck an einem Strang.
In Wirtschaftsfragen ziehen Günter Kohl (MIT, von links), Gisma-Gründer Manfred Maletzky, Karl-Sebastian Schulte und Gisma-Geschäftsführer Tobias Frerck an einem Strang.

Mittelstandsvereinigung der CDU lud bei Gisma Steckverbinder an der Leinestraße zum Unternehmerfrühstück ein.

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26. Mai 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Dass die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU im Kreis Rendsburg-Eckernförde zum Unternehmerfrühstück nach Neumünster zur Firma Gisma lud, liegt an Manfred Maletzky. Der Gastgeber ist Gründer des „Hidden Champions“ und Weltmarktführers bei Steckverbindern für die Meerestechnik und seit Langem Mitglied in der Mittelstandsvereinigung. Deren Credo machte Rendsburgs MIT-Kreisvorsitzender Günter Kohl deutlich: „Wir sind das marktwirtschaftliche Gewissen der CDU/CSU.“

Gastredner war Karl-Sebastian Schulte. Der Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks hatte ein Thema, das Handwerk und Industrie gleichermaßen umtreibt: „Zwischen Auftragsboom, Fachkräftemangel und digitalem Wandel.“ Das Handwerk könne zurzeit durchaus vom sprichwörtlichen goldenen Boden sprechen, so Schulte. Die Konjunktur befinde sich nun schon im achten Jahr im Hoch, und vielerorts sei der Fachkräftemangel zu einer Wachstumsbremse geworden.

Schulte machte keinen Hehl daraus, dass er sich im Bund durchaus das Jamaika-Bündnis statt der GroKo gewünscht hätte. „Schleswig-Holstein zeigt, dass es funktionieren kann“, so Schulte. Seine Befürchtung: „In der Großen Koalition wird viel Gegenwart verwaltet, aber wenig Zukunft gestaltet.“

Das Feld der beruflichen Bildung sei die neue Bundesregierung gut angegangen. In der Sozialpolitik werde dagegen viel verteilt, das können am Ende noch eine sehr teure Angelegenheit werden, sagte Schulte. Auch die Einschränkungen bei der Flexibilität im Arbeitsrecht schmerzten die Unternehmen. Schulte: „Dahinter steckt ein falsches Unternehmerbild.“

Angesichts des Fachkräftemangels reichten die klassischen Rekrutierungswege des Handwerks, also Haupt- und Realschule, nicht mehr aus. „Alle streben zur Akademisierung. Aber der Arbeitsmarkt braucht keine 50 Prozent Akademiker“, so Schulte.

Österreich und die Schweiz könnten hier als Vorbild durchaus Schule machen. Dort gibt es die „Lehre mit Matura“, also das Abitur in Kombination mit einer vollwertigen dualen Berufsausbildung. Gisma-Geschäftsführer Tobias Frerck nannte das „eine sehr gute Idee“.

Schulte sprach von jährlich 100 000 Studienabbrechern als spannender Zielgruppe, die in einer dualen Ausbildung viel besser aufgehoben seien. Flüchtlinge seien vielleicht die „Fachkräfte von übermorgen“. Da sei noch viel „Kümmerer-Arbeit“ nötig – und eine am Bedarf gesteuerte Zuwanderung.

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