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Bordesholm : Exzellente Musiker mussten die Herzen der Zuhörer erst erobern

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

500 Zuhörer waren beim ersten Schleswig-Holstein-Musik-Festival-Konzert in Bordesholm.

Bordesholm | Auch in Bordesholm hat das Schleswig-Holstein Musik Festival begonnen. Beim ersten Konzert in der Klosterkirche vorgestern Abend wurde den 500 Besuchern Bläserkunst vom Feinsten geboten. Das Quintett „Les Vents Francais“ gab eine eindrucksvolle Demonstration musikalischer Ensemblearbeit.

Seine individuelle Klasse einbringen und trotzdem das gemeinschaftliche Spielen nicht zu vernachlässigen – dies ist die hohe Kunst und manchmal auch die Krux bei Musik-Formationen, doch die Franzosen mit dem Deutschen Paul Meyer an der Klarinette schafften den Spagat zwischen Eigenbeitrag und Kollektiv.

Dies bewiesen sie sofort mit Darius Milhauds „La cheminee du roi Rene“, ein bunter Reigen an höfischen Liebesepisoden. Souverän arbeiteten die Fünf die einzelnen Teile ab, wechseln gekonnt Tempi, Rhythmen wie Stimmungen, erreichten aber irgendwie die Zuhörer nicht, schon gar nicht in den hinteren Reihen. Vielleicht lag es an dem Bühnenaufbau vor dem Altar statt in der Mitte der Kirche. Handwerklich Weltklasse, aber ohne die richtige Außenwirkung wirkte es manchmal, als spielten die Musiker für sich selbst im abgeschotteten Übungsraum.

Dieser Eindruck verstärkte sich auch bei Paul Hindemiths „Kleine Kammermusik op. 24 Nr. 2“ mit seinem verspielt-schrägen Anstrich noch. Erst mit Mozart und Beethoven änderte sich das. Denn die Melodie von „Reich mir die Hand mein Leben“ aus „Don Giovanni“ kennt fast jeder Klassik-Fan, und als die Bläser Beethovens Variationen über dieses Thema ausbreiteten, kam beim Musikgenuss auch die Neugier auf die Veränderung ins Spiel.

Gut, dass nach der Pause noch mehr Harmonie und Behaglichkeit angesagt waren, mit Maurice Ravels „Le tombeau de Couperin“, einer schwülstig-romantischen Stilübung, und vor allem dem „Bläserquintett g-Mol“" von Paul Taffanel. Orchestral und opernhaft schwebten die Klänge wie Gesangsstimmen unter die 500 Besucher in der ausverkauften Klosterkirche und erschufen bunte Bilder im Geiste. Der frenetische Applaus war dann selbstverständlich.






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