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Fachtagung : Expertenaustausch zum Leben mit Flüchtlingen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fachleute sprachen auf Einladung der Awo über das Spannungsfeld zwischen Rassismus und Willkommenskultur. Eine Vernetzung ist wichtig.

Neumünster | Es ist eine Problematik, die Neumünster und die Umlandgemeinden zurzeit durchaus betrifft: „Zusammenleben mit Geflüchteten – Im Spannungsfeld zwischen Rassismus und Willkommenskultur“ hieß das Thema der Fachtagung, die der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Sonnabend im Kiek In ausrichtete. Etwa 120 Teilnehmer nahmen an Workshops teil und hörten Vorträge an.

„Die Debatte um Flüchtlinge ist hierzulande akuter denn je. Mit dieser Veranstaltung wollen wir ausloten und zeigen, wie ein Zusammenleben mit Geflüchteten funktionieren kann. Zudem soll das Ziel sein, dass wir uns im Land besser vernetzen“, sagte Charlotte Sauerland vom Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus.

„Es gibt zahlreiche Initiativen, die sich ehrenamtlich gegen Rassismus einsetzen und dafür, dass Geflüchtete bei uns willkommen geheißen werden. Die wollen wir zusammen bringen und für einen Austausch sorgen“, sagte Michael Treiber von der Awo. Er wünsche sich mehr Struktur und Konzepte für die Unterbringung von Asylsuchenden, und dass Kommunen und Kreise in der Beziehung besser zusammen arbeiten. Weiterhin müsse die Informationspolitik besser werden. „Wenn Flüchtlingsunterkünfte in ein ‚Bullerbü-Idyll‘ gesetzt und die Bürger nicht vernünftig informiert werden, schürt das Angst und Unverständnis“, so Treiber. Während der Fachtagung wurden verschiedene Vorträge angeboten. Journalist und Autor Dr. Mark Terkessidis sprach zum Beispiel über Flucht und strukturellen Rassismus unter dem Titel „Altbekannte Töne, neue Qualität und Widersprüche im aktuellen Diskurs“. Andrea Dallek vom Flüchtlingsrat beschrieb die Situation für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein.

Ebenso wurden Workshops angeboten. Franz Hammer vom Kulturbüro Sachsen war gekommen, um zu diskutieren, was die Gesellschaft gegen rassistische Kampagnen wie „Shegida“ tun kann. „In ländlichen Gebieten wäre es zum Beispiel hilfreich, wenn ein Bürgermeister, der von allen geschätzt wird, mit gutem Beispiel vorangeht“, sagte er und riet zugleich von „kleinen Bürgerversammlungen“ ab, da diese erfahrungsgemäß von Stammtischparolen geprägt seien. „Damit ist niemandem geholfen“, sagte er. Hammer und die Awo-Experten lobten den Gegenwind der Bürger, die bundesweit zu Tausenden gegen Pegida und Co. auf die Straße gehen. Das sei der richtige Schritt. Die Fachtagung zur besseren Vernetzung soll nur ein Anfang gewesen sein.

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erstellt am 16.Feb.2015 | 08:00 Uhr

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