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Holsteinischer Courier

22. August 2017 | 09:33 Uhr

Ewiger Kampf zwischen Gut und Böse

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mit dem Schauspiel „Die Opferung des Gorge Mastromas“ stand in Neumünster erstmals ein Stück von Dennis Kelly auf dem Spielplan

Das war eine starke Premiere für Neumünsters Theaterfans: Mit dem Schauspiel „Die Opferung des Gorge Mastromas“ stand am Mittwochabend in Neumünster erstmals ein Stück des sehr erfolgreichen englischen Theaterschriftstellers Dennis Kelly (Jahrgang 1970) auf dem Programm. Das Stück war 2012 von der Zeitschrift „Theater heute“ zum „besten Stück des Jahres“ gekürt worden – und kam auch bei den (leider nur 300) Neumünsteranern zu Recht gut an.

Erzählt wird – so denkt man zunächst – in literarisch-ausgefeilter Sprache, dramaturgisch überzeugend und nicht ohne Ironie von gegenwärtigen gesellschaftlichen Strömungen, Verhaltensweisen und Entgleisungen. Doch im Verlauf der Handlung wird immer deutlicher, dass es nicht nur um heutige Defizite im zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Miteinander geht, sondern ganz grundsätzlich um die in jedem Menschen angelegte Ambivalenz zwischen Gut und Böse.

„Güte – oder Feigheit?“ heißt die immer wieder gestellte Kernfrage, die von den fünf Schauspielern in geschickt unter allen aufgeteilten sachlichen, aber durchaus lebendigen Erzählpassagen und spannungsreichen Spielszenen behandelt wird.

Gorge (Julian Mehne: eindringlich und überzeugend in allen Lebensaltern) hat sich seinen Mitmenschen gegenüber loyal und verantwortungsbewusst verhalten und befindet sich sozial gesehen „im oberen Drittel der unteren Hälfte“.

Dann lernt er eine super-erfolgreiche Karrierefrau (herausragend Marsha Zimmermann, auch als Louise) kennen, deren Credo lautet: „Wenn du etwas willst, nimm es dir. Um dir alles zu nehmen, brauchst du nichts weiter als zu lügen“.

Bald überflügelt Gorge seine Lehrmeisterin an Skrupellosigkeit und krimineller Energie. Er wird zum amoralischen Monster, das über Leichen geht; er gehört zu den Reichsten und Mächtigsten der Welt.

Es ist dem Tourneetheater „Euro-Studio“ zu danken, dass „Die Opferung von Gorge Mastromas“ durch das Gastspiel einem breiten Publikum bekannt gemacht wird. Regisseur Peter Lotschak, sein hervorragender Bühnenbildner und Lichtgestalter Rolf Spahn und sein intensives Schauspielerquintett fanden den passenden Ton für Kellys etwas nüchternen, aber prägnant formulierten Text.

Und gerade diese Nüchternheit, mit der die Ungeheuerlichkeiten der Geschichte erzählt werden, weckte beim Zuschauer wechselnde Emotionen: Zustimmung und Ablehnung, Zorn und Aggression, Erschrecken und Mitgefühl.

Am Ende des Stückes steht Gorges Enkel vor einem großen Dilemma: Er muss entscheiden, ob es moralischer ist, die Welt von dem Monstrum zu befreien oder den alten Gorge am Leben zu lassen, damit er selbst entscheiden kann, ob er seinem Leben ein Ende setzen oder in seiner 280-Zimmer-Villa alleine vor die Hunde gehen will.

Ein starkes Stück! Eine nachwirkende Inszenierung!

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erstellt am 05.Nov.2015 | 15:00 Uhr

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