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Holsteinischer Courier

21. Oktober 2017 | 02:20 Uhr

Theater : Eva Mattes gab Einblick in ihr Leben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rund 450 Besucher kamen ins Theater in der Stadthalle. Viel Beifall für ein sehr persönliches Programm. Theatergeschichte aus 40 Jahren

von
erstellt am 16.Dez.2013 | 08:30 Uhr

Eva Mattes in Neumünster! Die Ankündigung dieser geschätzten und beliebten Theater-, Film- und Fernsehschauspielerin, Synchron- und Hörbuch-Sprecherin, Sängerin und Autorin zog rund 450 Besucher ins Theater in der Stadthalle. Schnell stellte sich der „intensive Kontakt zum Publikum“, den Eva Mattes so schätzt, ein und ebenso schnell nahm die authentische und schlichte und gerade darum so intensive Präsentation von Texten und Liedern die Zuschauer gefangen.

In der Regel steht Eva Mattes auf den großen deutschsprachigen Bühnen in München, Berlin oder Wien. Aber immer wieder zieht es sie auch zurück nach Hamburg, wo ihre aufsehenerregende Bühnenkarriere begann. Am Freitagabend gestaltete sie ihr „persönlichstes Programm“: Sie las Passagen aus ihrer Biografie, die auch eine Theatergeschichte der letzten 40 Jahre ist. Sie erzählte amüsante Episoden (z. B. vom sch-Sprachfehler) und sang Lieder und Chansons. Am Klavier saß ihre langjährige Wegbegleiterin Irmgard Schleier, Dirigentin und Chorleiterin, Musikwissenschaftlerin und Initiatorin der Hamburger „Friedenskonzerte“ der 80er- Jahre, bei denen Eva Mattes auch schon mitwirkte.

Die Auswahl der Lieder reichte von beschwingten Schlagern, die Hans Albers, Marlene Dietrich und Zarah Leander sangen, über italienische „Zungenbrecher“ und „La Vie en Rose“ à la Piaf. Das hörte man gerne, aber noch stärker beeindruckten der „Emigranten-Choral“ (Text: Walter Mehring), die Ballade von Wolf Biermann und ganz besonders ein Lied in Afrikaans zu Ehren von Nelson Mandela.

Akustisch begann der Abend mit einer Einspielung von „Hey, Pippi Langstrumpf“, den sicher alle Zuhörer kannten, ohne zu wissen, dass Eva Mattes die Synchronstimme der Pippi in der TV-Serie war. Das war 1966, erzählte Eva Mattes, sie war 12 Jahre alt und sprach auch in anderen Kinderserien (z.B. den Timmy in „Lassie“). Mit 16 Jahren drehte sie den Anti-Vietnam-Film „o. k.“, der einen Skandal auslöste, ebenso wie der Film „Wildwechsel“ (Regie: Rainer Werner Fassbinder). Auch ihre ersten Bühnenrollen am Hamburger Schauspielhaus (z.B. „Stallerhof“ (Kroetz) und Shakespeares „Othello“ waren skandalträchtig, wovon sie ausführlich berichtete. Doch für ihre so authentisch, so echt gestaltete Rolle der „Jungfrau von Orleans“ (Schiller) wurde sie gefeiert.

Die ersten wesentlichen Jahre in der Karriere von Eva Mattes fielen in eine Um- und Aufbruchzeit an deutschen Theatern. Der Film wurde maßgeblich von Regisseuren wie Peter Zadek, Winfried Minks, Werner Herzog und Rainer Werner Fassbinder geprägt und von Schauspielrinnen wie Eva Mattes mit großer Affinität zu extremen Frauenfiguren maßgeblich mitgestaltet.

Von all dem war in 90 inhaltsreichen, bereichernden Minuten auf der Theaterbühne zu hören, gestaltet von zwei außergewöhnlichen Frauen, denen mit starkem Beifall und Blumen für ihren Besuch in Neumünster gedankt wurde.


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