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Holsteinischer Courier

19. August 2017 | 17:33 Uhr

Etwas mehr Präzision hätte gut getan

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Salzburger Operettentheater zeigte „Orpheus in der Unterwelt“ im Theater

Jacques Offenbach (1819-1880), als Jakob Offenbach in Köln geboren, gilt als Vater der Operette. Das Werk, das erstmalig am 21. Oktober 1858 in den „Bouffes Parisien“ das Publikum zu Beifallsstürmen hinriss, war „Orpheus in der Unterwelt“. Der Welterfolg beruhte in erster Linie auf den grandiosen musikalischen Einfällen: auf der mitreißenden Ouvertüre (am Mittwochabend bei der Aufführung im Theater in der Stadthalle erst vor dem zweiten Bild), den flotten Liedern und Couplets und auf dem Höllengalopp, der zum berühmtesten Cancan der Welt wurde.

Die Vorbilder für seine Personen fand Offenbach in der Spaßgesellschaft der „Zweiten französischen Republik“, die er persiflierte und treffsicher karikierte, und auch in seinen mythologischen „Studien“ hielt er den Zeitgenossen den Spiegel vor: Schaut her, ihr seid gemeint!

Heute inszenieren Regisseure die Offenbach-Operetten gerne als Brückenschlag in die Gegenwart – mal klassisch, mal modern, mal fantasievoll, mal albern. Das Gastspiel des Salzburger Operettentheaters bot von allem etwas und machte deutlich, wie schwer das leichte Genre zu realisieren ist. Der fast dreistündigen, reichlich textlastigen Aufführung (Regie: Lucia Meschwitz) hätte mehr Präzision bei Musikern und Solisten gut getan, um „rund“ zu werden.

So standen belanglose Szenen neben amüsanten Passagen, wechselte gekonnte Leichtigkeit mit bemühter Lustigkeit (und auch manchmal Peinlichkeit), erfreuten gelungene Solo- und Ensemble-Szenen und störte das sängerische Gefälle. Das Orchester spielte sich erst allmählich warm, klang streckenweise recht stumpf und uninspiriert, aber zupackend und anfeuernd in den furiosen Passagen zum gelungenen Schlussbild.

Die Sage von Orpheus und Eurydike stellten Offenbach und seine Librettisten auf den Kopf. Ihnen erschien es zeitgemäßer, dass die beiden kein glückliches Paar sind, sondern sich gehörig auf die Nerven gehen und Seitensprüngen nicht abgeneigt sind. Als Eurydike durch Hilfe des Herrn der Unterwelt (mit unterirdischem Charme und Können Eugene Amesmann) am Schlangenbiss stirbt, ist Orpheus durchaus nicht geneigt, bei Jupiter, dem Herrn des Olymps, um die Rückkehr Eurydikes zu bitten. Diese Szene mutete wie ein nicht recht gelungenes Kostümfest an.

Das fordert auch die „Öffentliche Meinung“ (apart gewandet und mit Autorität Monika Medek). Doch Jupiter weiß die Rückkehr zu verhindern; Orpheus (leicht, locker und gut Daniel Camille Bentz) geht vergnügt nach Hause, und Eurydike (mit schöner Stimme Cecilia Berglund) wird Bacchantin im Olymp – ganz nahe bei Jupiter, der sie schon in Gestalt einer Biene umschwirrte.

Und dann war da noch Hans Styx, einst „Prinz von Arkadien“, nun nur noch ein Schatten seiner selbst und Diener in der Unterwelt. Robert Kolar lieferte den Part so sicher und konsequent ab, dass die 200 Zuschauer große Freude an ihm hatten.

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erstellt am 25.Jan.2014 | 14:13 Uhr

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