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Holsteinischer Courier

19. August 2017 | 14:09 Uhr

Bordesholm : Es gibt noch Maikäfer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Herbert Martens flog ein stattliches Exemplar direkt vor die Füße.

Bordesholm | An Massenvorkommen des Maikäfers kann sich vielerorts nur noch die heutige Großelterngeneration erinnern. Die meisten Menschen kennen ihn höchstens noch aus Wilhelms Buschs „Max und Moritz“, als Sumsemann in „Peterchens Mondfahrt“ oder aber in süßer Schokoladenform. Deshalb freute sich der Bordesholmer Herbert Martens darüber, dass ihn sein Sohn Oliver (35) bei ihrer gemeinsamen Zeitungsausträgerrunde in Wattenbek auf das stattliche Exemplar aufmerksam machte.

„Der kleine Kerl war vor unseren Füßen auf dem Bürgersteig gelandet. Ich habe seit vielen Jahren keinen Maikäfer mehr gesehen. Deshalb habe ich ihn mit nach Hause genommen, um ihn näher zu betrachten. Aber jetzt entlasse ich den Brummer wieder in die Freiheit“, erklärt der 73-Jährige, der bis dahin mit Gras und Blättern gut für seinen possierlichen, gut drei Zentimeter großen Schützling gesorgt hatte.

„Als Kinder waren wir begeisterte Maikäfersammler. In den 50er-Jahren flogen sie in großen Schwärmen und waren für die Landwirtschaft eine Plage. Wir hielten die Tiere eine Weile in gelochten Kartons und brachten ihnen Blätter als Nahrung“, berichtet der gebürtige Wattenbeker. Die Maikäfer seien aber auch eine begehrte Tauschware gewesen. „Wir unterteilten sie mehrere Arten. Es gab, je nach Aussehen, Schornsteinfeger, Müller und Kaiser. Letztere waren sehr selten und hatten dementsprechend einen hohen Sammelwert. Überhaupt haben wir viel Schabernack mit ihnen getrieben. Nur gegessen haben wir sie nicht – obwohl sie gut schmecken sollen“, erzählt Martens schmunzelnd.

Nach Auskunft von Thomas Behrens, der als Biologe beim Naturschutzbund Schleswig-Holstein tätig ist, hatte Herbert Martens übrigens wirklich Glück mit seinem Fund. „In Schleswig-Holstein kommt der Maikäfer nördlich des Nord-Ostsee-Kanals praktisch nicht mehr vor. Auch bundesweit gehen die Meldungen zu Maikäfern konstant zurück. Aber unter anderem in den Kreisen Plön, Stormarn und rund um die Itzehoer Geest finden sich in jedem Jahr nahezu flächendeckend Exemplare. Doch die Zahlen liegen im unteren zweistelligen Bereich. Von den Massen aus früheren Zeiten sind wir also weit entfernt. Und dabei wird es wohl auch bleiben“, erklärte der Fachmann.

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