Jugendarrestanstalt : Erste Quarantänebrecher im Knast in Moltsfelde

Das Essen gibt es durch eine Luke in der Zellentür.

Das Essen gibt es durch eine Luke in der Zellentür.

Ein 19-jähriger Rendsburger und ein Kieler wurden in Moltsfelde inhaftiert. Sie ignorierten massiv die Auflagen.

Avatar_shz von
11. April 2021, 12:59 Uhr

Es ist das erste Mal, dass die Jugendarrestanstalt (JAA) Moltsfelde als Knast für einen Quarantänebrecher zum Einsatz kommt. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde hat am Sonnabend einen mit Corona infizierten Quarantänebrecher festnehmen und ins Gefängnis einliefern lassen. Es handelt sich um einen 19-jährigen Rendsburger. „Er hat mehrfach vorsätzlich und auf dreiste Weise gegen die Quarantäne verstoßen“, sagt Professor Dr. Stephan Ott, Leiter des Fachbereichs Soziales, Arbeit und Gesundheit beim Kreis.

 „Bereits Mitte vergangener Woche wurde ein Kieler inhaftiert, der auch massiv gegen die Auflagen verstoßen hat", erklärte Dr. Sönke Schulz, Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages. Auch die Stadt Hamburg hat Interesse, die Unterbringung von Corona-Quarantänebrechern in Moltsfelde zu nutzen. „Da laufen aktuell die Gespräche", So Schulz.

Festnahme in voller Schutzmontur

Am Freitag hatte die Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde beim Amtsgericht einen Antrag auf Festnahme des Mannes gestellt. Am Sonnabend gab das Amtsgericht dem Antrag statt und ordnete die Unterbringung in der Jugendarrestanstalt Moltsfelde an.

Vier Polizisten und zwei Kreismitarbeiter, allesamt in voller Schutzmontur, suchten ihn zu Hause auf und nahmen ihn fest. In einem Spezial-Rettungswagen für Infektionstransporte wurde der 19-Jährige nach Moltsfelde gebracht. Dort muss er zunächst bis zum 14. April bleiben, dem offiziellen Ende der vom Kreis verfügten Quarantänezeit.

Hohes Ansteckungspotenzial

Der junge Mann war am 31. März als „Kontaktperson der Kategorie I“ eingestuft worden. Er hatte in seinem Freundeskreis direkten Kontakt mit einem Corona-Infizierten. Der Kreis ordnete eine 14-tägige Quarantäne an. Am 3. April stellte sich heraus, dass der Mann ebenfalls corona-positiv war, und zwar laut Ott mit einem hohen Ansteckungspotenzial.

Dennoch zeigte sich kurz darauf, dass sich der Infizierte nicht an die Auflagen halten wollte.

Weiterlesen: 18-Jähriger ohne Führerschein flüchtet im Jaguar vor der Polizei

Vier Polizisten mit Corona angesteckt?

So beleidigte und bepöbelte er Polizisten, die am 7. April einen nach einem Unfall flüchtigen 18-jährigen Mann festnehmen wollten. Bei dem Unfallfahrer handelte es sich um einen Freund des 19-jährigen Quarantänebrechers, ebenfalls corona-positiv. Beide trugen keinen Mund-Nasen-Schutz. Sie wurden in Gewahrsam genommen, warnten jedoch die eingesetzten Beamten nicht vor der Infektion, was jetzt zur Folge hat, dass für vier Polizisten ebenfalls Quarantäne angeordnet werden musste.

Am 9. April suchten Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes den 19-Jährigen zu Hause auf und warnten ihn, dass weitere Verstöße gegen die Corona-Auflagen eine Zwangseinweisung ins Gefängnis zur Folge haben könnte. Doch auch diesen Hinweis ignorierte der Mann. Am gleichen Tag wurde er von einem Polizisten dabei beobachtet, wie er mit einem jungen Mädchen spazieren ging – wieder ohne Maske. Er flüchtete, als er den Beamten bemerkte.

19-Jähriger soll alle Kosten tragen

Für die Kreisverwaltung war damit das Maß voll. Professor Ott: „Wir müssen jetzt ein Zeichen setzen.“ Die Behörde lässt derzeit prüfen, ob dem jungen Mann sämtliche Kosten auferlegt werden können, die durch seine Quarantäneverstöße verursacht worden sind. Das könnte teuer werden, weil in diese Rechnung möglicherweise auch der Arbeitsausfall der in Quarantäne befindlichen vier Polizisten einbezogen werden könnte.

Ein Bett, ein Schreibtisch, ein Fernseher – und ein Blick durch vergitterte Fenster: So sind die Zellen ausgestattet.
Gunda Meyer
Ein Bett, ein Schreibtisch, ein Fernseher – und ein Blick durch vergitterte Fenster: So sind die Zellen ausgestattet.
 

Bereits seit 1. Februar können Personen, die sich in Schleswig-Holstein nicht an die Corona-Quarantäne halten, in der JAA inhaftiert werden.

Lesen Sie hier mehr zur Herrichtung des Hafträume.

Dafür stehen sechs Einzelhafträume in einem gesonderten Trakt zur Verfügung. Betrieben wird dieser vom Kreis Segeberg, unterstützt von der Stadt Neumünster. Die Hafträume sind mit Tisch, Stuhl, Bett und Fernseher sowie eigener Nasszelle ausgestattet. Versorgt werden die Quarantänebrecher von pensionierten Vollzugsbeamten, die sich freiwillig gemeldet haben und dafür zeitweise wieder beim Kreis angestellt sind.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen