Armut in Neumünster : Erste konkrete Schritte gegen die Armut

Mit dem Netzwerk Frühe Hilfen soll in Neumünster präventiv möglichst schon vor der Geburt mit Unterstützungsangeboten angesetzt werden.
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Mit dem Netzwerk Frühe Hilfen soll in Neumünster präventiv möglichst schon vor der Geburt mit Unterstützungsangeboten angesetzt werden.

Sozialausschuss und Jugendhilfeausschuss stimmen Prioritätenliste der Verwaltung zu

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02. Februar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Das Handlungskonzept gegen Armut ist seit dem Ratsbeschluss vom November allgemeiner Konsens und Leitlinie für künftiges Handeln. Jetzt steht auch die Prioritätenliste mit Maßnahmen, die schon 2018 umgesetzt oder vorbereitet werden können. Die dazu am Mittwoch gemeinsam tagenden Mitglieder des Sozial- und Jugendhilfeausschusses empfahlen einstimmig ihre Verabschiedung in der kommenden Ratssitzung am 13. Februar.

„Das ist noch keine Festlegung. Jede einzelne Maßnahme setzt eine Vorlage der Verwaltung und einen politischen Beschluss voraus“, machte Stadtrat Carsten Hillgruber deutlich. Jörg Hellberg erläuterte die zwölf Vorschläge der Verwaltung, die zuvor noch einmal mit den Sozialverbänden abgestimmt und diskutiert worden waren.

Ein Vorschlag ist, das Netzwerk Frühe Hilfen weiter auszubauen. In die gleiche präventive Richtung zielen die Verbesserung der Wochenbettversorgung, sogenannte Willkommensbesuche bei Familien mit Neugeborenen, das „Willkonmenspaket mit Strampelnest“ und die „Frühe-Hilfen-Begrüßungskarte“. Man wolle niemanden zwingen, sich besuchen zu lassen. Die Geburt sei aber eine gute Gelegenheit, Unterstützungsangebote bekannt zu machen, sagte Hellberg.

Die Schulsozialarbeit soll qualitativ, aber auch personell ausgebaut werden. Hellberg sprach von zwei zusätzlichen Stellen. Auch die Förderung von Kindern psychisch kranker Eltern will sich die Stadt auf ihre Fahnen schreiben. Bei jungen Erwachsenen will man sich auf den Übergang in Beruf und Arbeitsleben konzentrieren. Die Jugendberufsagentur sei hier schon ein guter Baustein, sagte Hellberg. Da man viele Senioren mit zentralen Angeboten nicht erreichen kann, hofft man auf mehr Erfolg durch eine aufsuchende Arbeit. „Das kann schon heißen, Senioren zu Arztbesuchen zu begleiten. Das kann aber auch Hilfe im Garten und Haushalt sein als ein Beitrag zur Erhaltung der Lebensqualität in den eigenen vier Wänden“, sagte Hellberg.

Als spezielle Gruppe hat die Stadt EU-Zuwanderer ausgemacht. Hier komme es immer wieder zu Spannungen und Missverständnissen, die auf Verständigungsschwierigkeiten zurückzuführen seien. Sprachmittler können hier helfen, so die Erwartung. Als Problem nannte Jörg Hellberg, dass Zuwanderer zum Teil „eine geringere Wertschätzung für Bildung haben und ihre Kinder nicht zur Schule schicken“. Man müsse aufpassen, dass das durchbrochen werde durch Information und Beratung.

Hellberg: „Es geht auch um die Verhinderung von Leistungsmissbrauch.“ Manche Zuwanderer würden von Hintermännern genötigt, Sozialleistungen zu beantragen – und dann abzuliefern. „Das sind Opfer“, so Hellberg.

„Jetzt wird es langsam konkret“, lobte der Sozialausschussvorsitzende Hans Heinrich Voigt (Grüne) das Handlungskonzept, mahnte aber: „Wir haben einen Sockel von Armut, der sich über Generationen fortsetzt.“ Der Katalog beschreibe „Maßnahmen, die eigentlich nicht neu sind. Wir in Neumünster hatten entweder nicht den Mut oder kein Geld, das anzupacken.“ Dietrich Mohr (SPD)erwartet, dass ein langer Atem nötig ist. „Prävention ist schwer messbar. Eine Ursache von Armut ist mangelnde Bildung. Hier müssen wir ansetzen.“

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