Nordbau Neumünster : Erste Blindenführung über die Baumesse

Keine Angst vor großen Maschinen:  Behutsam führt Bernhard Tabert vom Aussteller Zeppelin die Hand des blinden Jörg Arp an die mächtigen Aufhängungen eines Baggers.
Keine Angst vor großen Maschinen: Behutsam führt Bernhard Tabert vom Aussteller Zeppelin die Hand des blinden Jörg Arp an die mächtigen Aufhängungen eines Baggers.

Zum ersten Mal gibt es eine Blindenführung über die Nordbau.

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12. September 2019, 14:57 Uhr

Die Idee kam Peter Jödecke, als hinter seiner Wohnung in Düsseldorf das alte Viertel abgerissen wurde. Der von Geburt an blinde Rheinländer erwartete, dass nun eine ganze Armada von Abrissbirnen auftauchen würde, um die Blöcke aus der Nachkriegszeit „in einer Orgie aus Staub und Lärm zu Klump zu hauen“.

Aber es kam anders: Fast hätte er es kaum mitbekommen, wie moderne Spezialmaschinen den alten Baubestand, ruhig Stück für Stück und dennoch vergleichsweise erstaunlich staubfrei, in seine Bestandteile zerlegten. „Das wollte ich mir mal genauer zeigen lassen“, sagt Jödecke und suchte gemeinsam mit seinen ebenfalls blinden Freund Jürgen Södtalbers den Kontakt zur Nordbau-Leitung.

Messeleitung war Feuer und Flamme

Dort war man für die Idee sofort Feuer und Flamme: Immerhin zehn Teilnehmer, acht blinde, aber technikinteressierte Männer und Frauen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sowie zwei sehende Begleiter beteiligten sich gestern an der ersten Blindenführung über die Nordbau – und ließen sich dabei nicht nur Abrissbagger zeigen. Timo Koscik vom Baustoff-Produzenten Röben ließ die Besucher über gebrannte Tondachziegel streichen und erläuterte ihnen die Vorzüge und Nachteile von glasierten Ziegeln und wie sie heute fachgerecht eingebaut werden.

Die Bahn blieb eine Antwort schuldig

Eine Halle weiter erklärte ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn der sich erstaunlich sicher durch das Messegewühl bewegenden Gruppe, warum auch die Bahn die Nordbau nutzt, um für ihre Millionenprojekte interessierte Baufirmen zu gewinnen. Nur bei einer Frage musste die DB passen: Wie könne die Bahn sicherstellen, dass auch bei der Planung neuer Bahnhöfe schon die Einwände und Bedenken von Behindertenverbänden gehört würden, wollte etwa Bärbel Kleinöder wissen. „Gute Frage“, antwortete der Standbetreuer.

Das Urteil der Blinden: Der Rundgang hat sich gelohnt

Sehr einfühlsam ging Bernhard Tabert vom Baumaschinenhersteller Zeppelin auf die Gruppe ein: Er ließ seine Besucher die Bagger nicht nur ausführlich ertasten, sondern warf auch die Maschinen an und erläuterte die Arbeitsmodi der mächtigen Bagger. Einhelliges Urteil der Blindengruppe: Der Rundgang hat sich gelohnt.

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