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Norovirus in Boostedt : Erstaufnahmen rüsten sich für kranke Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der ehemaligen Rantzau-Kaserne sind drei Asylbewerber infiziert. Am Haart sind bislang keine Fälle bekannt.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2015 | 07:30 Uhr

Neumünster | In der Flüchtlingsunterkunft in Boostedt ist am Wochenende bei drei Asylbewerbern das Norovirus festgestellt worden. In der Erstaufnahmeeinrichtung am Haart, die eng mit Boostedt kooperiert, machen sich die Verantwortlichen nun Gedanken, wie sie sich gegen die hochansteckende Krankheit wappnen können.

„Es gab in Boostedt drei Personen, bei denen das Norovirus am Freitag und Sonnabend durch Labortests nachgewiesen werden konnte“, erklärte Magdalena Drywa vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten am Montagnachmittag auf Nachfrage des Holsteinischen Couriers. Das Gesundheitsamt des Kreises Segeberg hatte in einer Pressemitteilung zunächst von zwei bestätigten Fällen am Freitag berichtet und gemeldet, dass sich die Zahl der Erkrankten in der Nacht zu Sonntag auf über 100 erhöht habe, von denen drei im Krankenhaus behandelt werden mussten. Diese Zahl sei aber zu hoch geschätzt worden, sagte Magdalena Drywa: „Wir hatten 40 Verdachtsfälle, die sich bis auf Ausnahme der drei Personen nicht bestätigt haben.“ Aktuell befinde sich eine der Personen noch im Isolierbereich, die anderen beiden seien nach 48 Stunden Isolation frei von Symptomen. Weitere Erkrankungen habe es nicht gegeben.

Ein Blick in die ehemalige Scholtz-Kaserne.
Ein Blick in die ehemalige Scholtz-Kaserne. Foto: Archiv
 

In der ehemaligen Scholtz-Kaserne am Haart sieht man sich für den Fall eines Norovirus-Ausbruchs gerüstet. „Wir haben in allen Erstaufnahmeeinrichtungen Isolationsbereiche, in denen Menschen mit ansteckenden Krankheiten untergebracht werden“, erklärte Magdalena Drywa. Am Haart stünden zwölf spezielle Container zur Verfügung, in Boostedt gebe es ein eigenes Isolationsgebäude auf dem ehemaligen Kasernengelände. Außerdem wurden dort die Hygienemaßnahmen weiter angezogen. So werden schärfere Desinfektionsmittel eingesetzt, die Sanitäranlagen häufiger gereinigt und vor der Essensausgabe die Hände desinfiziert.

Vertreter des Gesundheitsamtes Segeberg waren extra nach Boostedt geeilt, um Desinfektionsmittel und Schutzkleidung an den Sicherheits- und Sanitätsdienst auszuhändigen und die Flüchtlinge über das Virus zu informieren. „Im Fall einer Erkrankung übernimmt das medizinische Fachpersonal vor Ort die Akutbehandlung und weist die Betroffenen in schwereren Fällen an das Krankenhaus weiter“, sagte Magdalena Drywa.

Widersprüchliche Meldungen zu der Zahl der Erkrankten und den Behandlungsmaßnahmen hatten am Montag für Verwirrung gesorgt. So konnte Magdalena Drywa nicht bestätigen, dass die drei erkrankten Patienten im Krankenhaus behandelt werden mussten, wie es das Segeberger Gesundheitsamt vermeldete. Im Friedrich-Ebert-Krankenhaus wurden in den vergangenen Tagen jedenfalls keine Norovirus-Patienten aus Boostedt aufgenommen, erklärte Pressesprecherin Maren von Dollen. Klinik-Chef Alfred von Dollen stellte zudem klar, dass bei einer möglichen Infektion mit dem Norovirus nur schwerkranke Patienten aus den Erstaufnahmeeinrichtungen im FEK aufgenommen würden: „Wir stehen nur für vital bedrohte Fälle zur Verfügung. Der normal infizierte Flüchtling kann in der Erstaufnahmeeinrichtung gut versorgt werden. Für alles andere wären wir als FEK nicht zuständig und hätten auch gar nicht die Kapazitäten.“

Staatssekretärin Manuel Söller-Winkler und Bürgermeister Hartmut König (CDU) mussten viel Kritik einstecken.
Bürgermeister Hartmut König (CDU, rechts) und Staatssekretärin Manuel Söller-Winkler (links). Foto: Bury
 

Boostedts Bürgermeister Hartmut König war Montagmorgen um 8 Uhr von der Polizei offiziell über den Sachstand informiert worden. „Ich würde mir wünschen, direkter in die Informationskette einbezogen zu werden“, erklärte er auf Anfrage. Er habe die Lage mit Verwaltungsleiter Sven Plucas besprochen, und die Verwaltung habe Kontakt mit dem Gesundheitsamt des Kreises aufgenommen. Alle Mitarbeiter der Verwaltung und die in der Erstaufnahme ehrenamtlich Tätigen seien informiert worden.

Der Verein „Willkommen Boostedt“, der den Deutschunterricht für die Flüchtlinge organisiert, hat die Deutschstunden erst einmal ausgesetzt. „Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Ehrenamtlichen“, erklärte der Vereinsvorsitzende Franz Strompen. Sobald es verantwortbar sei, solle der Unterricht wieder stattfinden. In jedem Klassenzimmer soll dann eine Handdesinfektion angebracht werden.

Boostedts Pastor Lemke will sich Dienstagabend mit dem kirchlichen „Arbeitskreis Flüchtlingspartnerschaften“ beraten. Das nächste Flüchtlingscafé findet erst in acht Tagen statt. Darum wird man zunächst abwarten.

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