Boostedt : Erstaufnahme: 2024 soll Schluss sein

Die Belegungszahl in der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Boostedt soll ab 2019 auf 500 reduziert werden. Das Jahr 2024 ist für eine Räumung der Erstaufnahme im Gespräch.
Die Belegungszahl in der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Boostedt soll ab 2019 auf 500 reduziert werden. Das Jahr 2024 ist für eine Räumung der Erstaufnahme im Gespräch.

Nach dem Treffen von Vertretern des Innenministeriums und der Gemeinde Boostedt gibt es Hoffnung auf eine Verkleinerung der Erstaufnahme. 500 bis maximal 700 Asylsuchende sind ab 2019 vorgesehen.

shz.de von
23. Juni 2018, 08:03 Uhr

Boostedt | Die Landesunterkunft für Asylsuchende soll nur noch bis November 2024 bestehen, danach soll sie geräumt werden. Das erklärte gestern auf Anfrage Boostedts Bürgermeister Hartmut König (CDU), nachdem am Donnerstag ein nicht öffentliches Treffen mit Vertretern des Innenministeriums statt gefunden hatte.

Am Treffen nahmen die Fraktionen der Gemeindevertretung, die Verwaltung sowie der Konversionsexperte für Boostedt, Hartmut Röder, teil.

„In den vergangenen Wochen gab es intensive Gespräche,  die zu dieser Größenordnung geführt haben.“

Bis zur Räumung soll die Belegungszahl ab 2019 zudem auf 500 Asylsuchende reduziert werden, ein Notpuffer von 200 Plätzen werde eingeplant. Der Sprecher des Innenministeriums, Dirk Hundertmark, bestätigte lediglich die geplante Reduzierung der Belegung. Weiterhin bestätigte er „das Bestreben der Landesregierung, bei der Belegung der Landesunterkunft für eine soziale Ausgewogenheit zu sorgen“. Die Entscheidung des Landes begründete der Sprecher so: „In den vergangenen Wochen gab es intensive Gespräche, die zu dieser Größenordnung geführt haben.“

Außerdem habe das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum endlich grünes Licht für die Kommunalisierung der „Panzerstraße“ gegeben, teilte Hartmut König mit. Die Zufahrt zur ehemaligen Rantzau-Kaserne ist noch im Besitz der Bundeswehr, sie wird aber für die Konversion des Geländes benötigt. Die Tietje-Gruppe aus Itzehoe hat Interesse an einem Areal auf dem Gelände und kann nun in weitere Verhandlungen mit der Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) treten, die die Liegenschaft verwaltet. „Der Investor teilte mit, dass er am Ball bleibt“, sagte Hartmut König.

„Ich sehe es als sehr positiv, dass sich das Land bewegt."

„Ich sehe es als sehr positiv, dass sich das Land bewegt. Nach zahlreichen Gesprächen und Unsicherheiten gibt es jetzt klare Perspektiven für Boostedt, das bestätigt meine Arbeit und freut mich“, sagte der Bürgermeister. Außerdem stehe das Oberzentrum Neumünster hinter der Rahmenvereinbarung, die Boostedt erlaube, ein Gewerbegebiet zu eröffnen.

Nicht zufrieden mit dem Bestand der Landesunterkunft über 2019 hinaus zeigte sich die Gemeindevertreterin Marina Weber (Freie Wählergemeinschaft Boostedt). „Wir wollen keine Fortführung der Landesunterkunft. Ganz unabhängig von der Belegungszahl möchten wir, dass 2019 Schluss ist. Ansonsten nehme ich keine Stellung zu den Besprechungen des Treffens, denn es wurde Stillschweigen darüber vereinbart“, stellte die Fraktionssprecherin klar. Olaf Freese, Gemeindevertreter und SPD-Fraktionssprecher, kommentierte: „Wir sehen die Entwicklung positiv und sind verhalten optimistisch, inwieweit die mündlichen Zusagen umgesetzt werden.“

Dazu sagte der Innenministeriums-Sprecher: „Selbstverständlich wird es eine Verschriftlichung geben. Der ‚Letter of Intent‘ wird in den kommenden Wochen zwischen dem Bürgermeister und dem Innenministerium erarbeitet.“

Einwohnerversammlung vermutlich im Oktober

Auch für die Freiwillige Feuerwehr bieten sich nun neue Möglichkeiten auf dem Ex-Kasernen-Gelände. Geht es nach Hartmut König, wäre der Kauf eines Grundstücks auf dem Areal für den Neubau der Feuerwehr wünschenswert. „Die Gemeinde hat ein Vorkaufsrecht. Ich habe heute einen Antrag gestellt, um von der Bima Größenberechnungen und Kosten für eine bestimmte Fläche zu bekommen“, berichtete er. Über den Kauf muss die Gemeindevertretung entscheiden.

Außerdem sagte der Bürgermeister, dass sich das Land schnell um die Einrichtung eines Hotspots in der Landesunterkunft kümmern wolle. Es war zu Problemen durch eine intensive Nutzung des W-Lans am Bahnhof gekommen (der Courier berichtete). Zurzeit befinden sich etwa 1200 Menschen in der Landesunterkunft.

Weil die Zusagen des Landes noch nicht schriftlich vorliegen, kann die Einwohnerversammlung nicht im August stattfinden, sondern vermutlich im Oktober, teilte der Bürgermeister mit.


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