Jobcenter-Projekt : Erst auf die Bühne, dann in den Beruf

Theater als Entwicklungschance für beruflich wichtige Kompetenzen: Jobcenter-Teamleiterin Anna-Lena Peschties (von rechts), Mark Kewitsch (Projektfabrik), Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth und Jobcenter-Geschäftsführer Thorsten Hippe stellten gestern das Projekt „Job-Act“ vor, das am 5. Oktober startet.
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Theater als Entwicklungschance für beruflich wichtige Kompetenzen: Jobcenter-Teamleiterin Anna-Lena Peschties (von rechts), Mark Kewitsch (Projektfabrik), Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth und Jobcenter-Geschäftsführer Thorsten Hippe stellten gestern das Projekt „Job-Act“ vor, das am 5. Oktober startet.

Premiere für das Projekt „Job-Act“: 20 Jugendliche ohne Ausbildung erarbeiten ein Theaterstück / Ziel: Entwicklung von Stärken und Kompetenzen

shz.de von
16. September 2015, 09:30 Uhr

Neumünster | Unkonventionelle Wege geht das Jobcenter bei seinen Anstrengungen, auch schwierige Fälle in Ausbildung oder Arbeit zu vermitteln: Am 5. Oktober startet das Theaterprojekt „Job-Act“ der Projektfabrik aus Hannover. 20 Jugendliche im Alter von 15 bis 25 Jahren ohne Ausbildung werden sechs Monate ein Theaterstück von der Idee bis zur Premiere erarbeiten und aufführen. „Die Jugendlichen sollen so ihre Stärken erkennen und Schlüsselkompetenzen entwickeln. Wir sind stolz, dieses bundesweit ausgezeichnete Projekt als Premiere nach Neumünster zu holen“, sagte Thorsten Hippe, Geschäftsführer des Jobcenters.

Grundgedanke ist: Theater zu spielen, fordert heraus. „Die Jugendlichen müssen im Team arbeiten, Konflikte aushalten und bewältigen, Verantwortung tragen. Wir schaffen einen Freiraum ohne Bildungsdruck. Beim Erarbeiten des Stücks entsteht eine neue Lust, etwas zu leisten“, sagt Mark Kewitsch, Bereichsleiter Nord der Projektfabrik aus Hannover, einer gemeinnützigen GmbH, die seit zehn Jahren solche Projekte mit der Hauptzielgruppe (bis 25 Jahre), aber auch mit Alleinerziehenden oder anderen bundesweit organisiert. In Neumünster kooperiert sie mit dem Jobcenter, das die rund 39  000 Euro für 20 Teilnehmer über Gutscheine zur Eingliederung finanziert, und mit der Awo.

Das Projekt ist freiwillig; die Teilnehmer beziehen weiterhin Leistungen vom Jobcenter. Angeleitet wird die Gruppe von einem Theaterpädagogen und einer Bewerbungsmanagerin. Beim Theater sind nicht nur Bühnenspiel, sondern auch Bühnenbild-Bauen und viele andere Gewerke wie Malen, Schneidern oder Öffentlichkeitsarbeit gefragt. Die öffentliche Aufführung sei wie ein alternatives Bewerbungsgespräch, so Kewitsch.

Danach absolvieren die Jugendlichen viermonatige Betriebspraktika – Firmen können sich beim Jobcenter melden (Anna-Lena Peschties, Tel. 5 58 63 03). Der bisherige Erfolg lässt hoffen: In zehn Jahren gab es 300 Aufführungen; im Durchschnitt wurden über 50 Prozent der Teilnehmer vermittelt, in Einzelfällen bis zu 70 Prozent, sagt Kewitsch.

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