zur Navigation springen

Biomüll : Erst 262 Bürger nutzen die „Sommertonne“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auch die kleinen 60-Liter-Tonnen sind noch wenig gefragt

Neumünster | Beim Mülltrennen sind die Deutschen Weltmeister. Doch in Neumünster gibt es da offenbar noch deutlichen Nachholbedarf: Während die Bürger im bayerischen Aschaffenburg mit nur 56,5 Kilogramm Haus- und Sperrmüll pro Person und Jahr ökologisch Vorreiter sind, warf in Neumünster im vergangenen Jahr jeder Bürger umgerechnet 208 Kilogramm in die graue Restmülltonne.

Insgesamt produzierten die Neumünsteraner 2016 knapp 16  700 Tonnen Hausmüll, die in der Mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) in Wittorferfeld aufbereitet wurden. „Hinzu kommen noch Sperrmüllmengen von 40 bis 50 Kilogramm je Einwohner und Jahr“, teilte MBA-Sprecherin Angelika Schiffer auf Nachfrage mit. Für den ebenfalls in der MBA angelieferten Hausmüll aus anderen Kreisen errechnete Schiffer folgende Pro-Kopf-Mengen Hausmüll: Flensburg 213 Kilogramm/Einwohner, Kreis Rendsburg-Eckernförde 202 Kilogramm, Nordfriesland 196 Kilogramm.

Beim Sperrmüll seien die Mengen jedoch schwer zu vergleichen, da es sehr unterschiedliche Betrachtungs- und Rechnungsweisen gibt. So ist in Neumünster der Holzanteil enthalten, während er in Flensburg aufgrund der Verwertung herausgerechnet wird. Dass in Bayern deutlich besser getrennt wird, führt Angelika Schiffer auf das dort engmaschigere Recyclingnetz zurück.

Auch die Neumünsteraner sind lernfähig. So sank nach den Erhebungen im Technischen Betriebszentrum, das für die Müllabfuhr zuständig ist, die Restmüllmenge. 2015 fielen knapp 230 Kilogramm je Bürger an, für die Jahre 2012 und 2013 errechnete das TBZ noch 240 Kilogramm je Neumünsteraner.

Dennoch gibt es nach Einschätzung von TBZ-Leiter Ingo Kühl immer noch zu viel Restmüll. Vor allem, weil die Bürger zu viel Bioabfälle über die graue Restmülltonne entsorgen. Das kommt sie teuer zu stehen, denn Restmüll ist in der Entsorgung mehr als doppelt so teuer wie Biomüll.

Um den Anteil an Biomüllerfassung zu erhöhen, hatte die Stadt mit kleineren 60-Liter-Tonnen und einem neuen Gebührenmodell einen Anreiz gesetzt. Doch die 60-Liter-Tonne wird noch nicht gut angenommen. Seit Jahresbeginn orderten gerade einmal 85 Haushalte die kleine Biotonne und 180 die kleine Restmülltonne. Von der ebenfalls neuen „Sommertonne“ hat das TBZ bislang 262 Stück ausgegeben. Diese 120-Liter-Biotonne bleibt ganzjährig auf dem Grundstück, wird aber nur in den Monaten April bis Oktober geleert und abgerechnet. Noch Zukunftsmusik ist die für 2018 geplante Einführung einer „Duo-Gebühr“– einer Gebühr für das Paket aus Rest- und Biotonne in diversen Zusammenstellungen. Kühl: „Wir wollen an den Bürger ran, ihn zum Beispiel auf dem Wochenmarkt über Mülltrennung informieren.“ Der TBZ-Chef hofft, klar machen zu können, dass das ökologisch, aber auch ökonomisch Sinn macht, weil der Bürger bei den Müllgebühren sparen kann.

zur Startseite

von
erstellt am 04.Jul.2017 | 08:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen