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Stadthalle Neumünster : Ernste Themen kreativ verpackt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Erster U-20-Poetry-Slam: Acht Jugendliche begeistern mit ihren Werken das Publikum.

Neumünster | Wer behauptet, die Jugend von heute habe nichts im Kopf außer Handys,Mobbing und Styling, der sollte sich mal an die eigene Nase fassen. Im Ernst: Was Jugendliche bewegt und wie sie wirklich ticken, konnte man am Dienstagabend beim ersten Poetry-Slam der unter 20-Jährigen in dieser Spielsaison des Theaters in der Stadthalle erfahren. Gut 60 Besucher saßen auf der Bühne und verfolgten, wie acht Jugendliche in einem modernen Dichterwettstreit ihre Gedanken in selbst verfassten Gedichten vortrugen.

Und die hatten es allesamt in sich: Ob Kaja Maria (15) aus Nortorf sich in den Seelenschmerz von Flüchtlingen hineinfühlte, Tilman Fink aus Neumünster analysierte, warum sich ein Freund in Alkohol und Zigaretten flüchtete oder die Neumünsteranerin Svea Howe ihre Ohren für stumme Hilfeschreie öffnete – durchweg ernste Themen dominierten diese Auftaktveranstaltung. Auffällig war, dass sich letztlich alle jungen Dichter mit der Frage eines würde- und respektvollen Umgangs mit sich selbst und anderen auseinander gesetzt haben.

Eine gelungene Ausnahme präsentierte die Lübeckerin Sarah Wiesmann (18), die in einem Gedicht die Sprache und ihren Klang selbst zum Thema gemacht hat. „Ich spiele gerne mit Sprache. Die Form und der Rhythmus meiner Texte sind mir wichtig, sie sollen einen wichtigen Inhalt schön verpacken“, erklärte die angehende Medizinstudentin. Ihre Texte begeisterten das altersgemischte Publikum, das die FSJ-lerin ins Finale hinein applaudierte. Dort traf sie auf die 17-jährige Suzana Milea, die sich radikal, tiefgründig und in zum Teil derber Sprache mit Sexismus auseinander setzte. Sie erzählte von einer Mitschülerin, die sich nicht mehr an die Tafel traut, seitdem sie abwertende Sprüche über ihren Hintern bekommen hat oder dass „man Frauen will, die geben, die es dir geben“. Die Klaus-Groth-Schülerin schreibt seit fünf Jahren für sich selbst: „Ich habe viele Ideen im Kopf, die raus müssen. Meistens schreibe ich auf, was ich selbst erlebt habe, schmücke aber auch aus.“

Der erfahrene Moderator Michel Kühn hatte genau wie das begeisterte Publikum seine liebe Not, eine der beiden Finalistinnen zur Gewinnerin zu küren. Die Zuschauer jubelten für beide, was Hände, Füße und Stimmen hergaben. „Ihr wollt es nicht anders, dann gewinnen eben beide“, meinte Michel Kühn schließlich gut gelaunt.

„Ich habe große Anerkennung für die jungen Menschen, die sich auf die Bühne trauen und sich bewerten lassen. Neben den anspruchsvollen Inhalten hat mir besonders gut gefallen, wenn jemand viel mit Mimik und Gestik vorgetragen hat“, erklärte Carsten Budjecky. Für den 18-jährigen Neumünsteraner war es der erste Besuch eines Poetry-Slams. Sein Eindruck: „Einfach spitzenmäßg!“


>Der nächste Poetry-Slam „Lyrik und Textase“ findet am 16. Januar wieder auf der Bühne des Theaters in der Stadthalle statt.



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