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Aus dem Gericht : Ermittlungen begannen mit einem Kassenbon

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Drei Neumünsteraner müssen sich wegen räuberischer Erpressung, schweren Bandendiebstahls und Einbruchs vor dem Kieler Landgericht verantworten.

von
erstellt am 08.Jun.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Hat ein kleiner Kassenbon die drei Männer auf die Anklagebank gebracht? Gestern Vormittag schilderten vier Kriminalbeamte als Zeugen vor dem Kieler Landgericht, wie das Trio nach dem brutalen Raub in Einfeld ins Visier der Ermittler geriet.

Seit Ende April müssen sich drei Neumünsteraner (25, 29 und 45) wegen räuberischer Erpressung, schweren Bandendiebstahls und Einbruchs vor dem Kieler Landgericht verantworten (der Courier berichtete). Den Angeklagten werden vier bandenmäßig begangene Raub- und Diebstahlstaten vorgeworfen. Der Raub am Seewisch in Einfeld in der Nacht zum 21. Juni vergangenen Jahres, bei dem ein älteres Ehepaar überfallen, geschlagen, gefesselt und stundenlang hilflos in einen kleinen Raum gesperrt worden war, ist die erste Tat, die die Ermittler den drei Männern zurechnen. Die Angeklagten bestreiten aber jede Beteiligung daran.

Gestern berichtete ein Kriminalbeamter, wie er mit Kollegen im Haus sowie im Garten am Seewisch Spuren sicherte. Einen Tag nach dem Raubüberfall wurden auf dem großen Grundstück sogar noch Diensthunde eingesetzt. „Die Tiere zeigten auf einer Grünfläche im hinteren Teil des Gartens in der Nähe einer Steinmauer Interesse. Die Mauer wäre auch ein gutes Versteck, zumal das Haus von dort gut zu sehen ist. Wir haben dort deshalb eingehender gesucht“, schilderte der Ermittler. Dann beschrieb er, wie er und seine Kollegen in diesem Areal einen Kassenzettel entdeckten. Ausgestellt am Abend des 15. Juni. Jemand hatte dort zwei Paar Gartenhandschuhe gekauft.

Der kleine Zettel führte die Ermittler zum Hagebaumarkt an der Boostedter Straße. Auf Bildern aus der Überwachungskamera erkannten Polizeibeamte nach eigener Aussage den ältesten Angeklagten, Silvio F. (45).

Fortan wurde er überwacht, auch Telefonate abgehört. Sein Auto wurde geortet. Als sich dabei intensivere Kontakte zu Michael B. (29) abzeichneten und verdächtige Gespräche auftauchten, wurde auch er observiert. Der dritte Angeklagte, Mike M. (25), fiel erst später auf. Zu ihm gab es offenbar weniger Kontakt.

Unter den Augen ziviler Polizeibeamten sollen die drei Männer am 22. September in eine Werkstatt in Rethwisch bei Itzehoe sowie am 5. Oktober in ein frisch renoviertes Haus am Krummredder in Gadeland eingebrochen sein. Dass die Polizisten damals nicht eingriffen, begründeten sie den Verteidigern gestern mit ihren eigentlichen Ermittlungsarbeiten: „Ziel war es, den Raub in Einfeld aufzuklären“, erläuterte ein Zeuge.

In der Folgezeit sammelten die Beamten weiter Details. Sie beobachteten laut Aussage, wie zwei der Männer zum Baumarkt fuhren und zumindest einer Handschuhe und Taschenlampen kaufte. „Häuser wurden ausbaldowert“, sagte ein Zeuge. Irgendwann waren die Ermittler überzeugt, dass das Trio in Wittorf in die Villa eines älteres Paares einsteigen wollte. Sogar ein Kennwort sollen die drei Männer vereinbart haben. Beim Stichwort „Zombie“ sollte es demnach losgehen. Das hörten auch die Ermittler mit und bezogen Position. Als Spezialeinsatzkräfte die Angeklagten dabei beobachteten, wie sie sich an der Terrassentür zu schaffen machten, schlugen sie zu. „Hier war mehr als ein Einbruch geplant. Wir fanden Kabelbinder, die schon zum Fesseln vorbereitet waren. Da passte einiges zu der Tat in Einfeld“, erklärte ein Polizist.

Nur wenige Tage nach dem Raub in Einfeld soll sich einer der Angeklagten für mehr als 40  000 Euro ein neues Auto gekauft haben. Laut Verkäufer zahlte er bar. Mit auffallend vielen 50-Euro-Scheinen. Das Gros des erbeuteten Geldes in Einfeld sollen 50er gewesen sein. Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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