FEK in Neumünster : Erkältungswelle legt Friedrich-Ebert-Krankenhaus lahm

Von den 800 Mitarbeitern im FEK sind derzeit fast 100 krank.

Von den 800 Mitarbeitern im FEK sind derzeit fast 100 krank.

Notstand im Neumünsteraner Krankenhaus: Vier OP-Säle sind geschlossen, aber das Personal rückt zusammen.

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16. März 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Selbst langjährige Mitarbeiter haben so eine Situation noch nicht erlebt. Seit nunmehr zehn Wochen reißt der Strom an Patienten mit starken grippalen Infekten im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) nicht ab. „Jede Nacht kommen im Schnitt 30 neue, in Spitzenzeiten bis zu 60 dazu. Und es hört einfach nicht auf“, erklären Sprecherin Maren von Dollen und Pflegedirektor Christian de la Chaux. Zu allem Überfluss macht die Epidemie auch vor dem Pflegepersonal nicht halt. Von den 800 Mitarbeitern sind derzeit fast 100 krank – deutlich mehr als sonst im Schnitt.

Die Folge: Die Belegungsquote ist in der Inneren Medizin und in der Hämatologie/Onkologie teilweise auf bis zu 160 Prozent gestiegen, am Donnerstag lag sie bei 130 Prozent. Patienten müssen in ihren Betten auf den Fluren liegen. Vier der acht OP-Säle sind geschlossen, geplante Operationen, die nicht unbedingt notwendig sind, werden verschoben. Von einer echten Ausnahmesituation spricht Maren von Dollen. Doch in allen Notfall-Kliniken in Schleswig-Holstein sieht die Lage ähnlich aus. Das ergab eine Telefonkonferenz am Donnerstagvormittag mit dem Sozialministerium in Kiel. Christian de la Chaux stellt klar: „Schwerste Erkrankungen werden hier immer behandelt. Das ist so, und das bleibt auch so.“ So sagte in dieser Woche auch die Imland-Klinik in Rendsburg und Eckernförde alle verschiebbaren Operationen ab.

Schokolade als Dank an die Helfer

Echte Grippefälle gibt es im FEK derzeit sechs. Angesichts von 1900 im gesamten Land ist das noch überschaubar. „Aber die Erkältung schlägt in diesem Jahr besonders hart zu“, sagt Maren von Dollen, die in den vergangenen Wochen selbst betroffen war. „Man mag sich gar nicht mehr bewegen. Gerade ältere Menschen werden dann schnell pflegebedürftig.“

Für die noch verbleibenden Pfleger ist die Situation nicht einfach. Sie versuchen, die angespannte Lage zu stemmen: Mit Überstunden, Leih-Personal und Anreizdiensten, bei denen Kollegen kurzfristig einspringen und dann Extra-Vergütungen erhalten. „Ich bin normalerweise im Ambulanten Operationszentrum, jetzt aber auf der Inneren eingesetzt. Dort sind die Kollegen dankbar über jede Hilfe“, sagt Pflegerin Meike Hammerich. Das Team rücke zusammen, motiviere sich jeden Tag aufs Neue gegenseitig.

„Das ist ein toller Zusammenhalt. Dieses Zusammenrücken habe ich noch nie zuvor gesehen“, sagt Christian de la Chaux, der immerhin seit 13 Jahren im FEK ist. Die Mitarbeiter leisteten Großartiges, stimmt Maren von Dollen zu. Allein 73 Meter Schokolade verteilte sie am Donnerstag als kleines Dankeschön an die Helfer. Wie immer freitags gibt es auch neben der täglichen Konferenz wieder ein spezielles Zusammentreffen, um alles Aktuelle zu besprechen. „Wir hoffen jedes Mal wieder, dass wir den Höhepunkt dieses Notstandes überschritten haben. Bisher trat das leider nicht ein“, sagt Christian de la Chaux. Er setzt nun auf den Frühling: „Wenn es wärmer wird, hört das hoffentlich auf.

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