Neumünster : Erkältungswelle hält an

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Arztpraxen haben viele Patienten mit grippalen Infekten. Vollbelegung des FEK nicht auf Grippe zurückzuführen.

shz.de von
13. Februar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Es wird gehustet und geschnieft und Schulen, Kindergärten oder Unternehmen haben viele Krankheitsfälle zu beklagen: „Der Höhepunkt der Erkältungswelle ist wohl noch nicht überschritten“, schätzt Allgemeinmediziner Dr. Hannes Graeser die Situation in der Stadt ein. In diesem Jahr gebe es mehr Erkältungen, grippale Infekte und Grippen als noch im Vorjahr. Genaue Zahlen könne man allerdings nicht nennen, da diese nicht separat erfasst würden.

„Es gibt einen deutlichen Anstieg“, bestätigt auch Kinderarzt Dr. Johannes Kandzora. Etwa zwei Drittel seiner Fälle, bei denen der Verdacht auf Influenza bestand, hätten sich bestätigt. „Bislang haben wir aber erst einen Patienten ins Krankenhaus überweisen müssen, weil dieser so schlapp war, dass er nicht mehr mit ausreichend Flüssigkeit versorgt werden konnte“, schildert der Kinderarzt. Ansonsten versuche man, so viel wie möglich ambulant zu behandeln.

Gegen Grippe geimpft seien viele Patienten zwar, allerdings hätten diese nicht den Schutz gegen das derzeit grassierende Virus. „Man kann sich nachimpfen lassen und den vierfachen Grippeschutz holen, allerdings müssen die Patienten diesen erst einmal selbst bezahlen und bekommen den erst nachträglich von den Krankenkassen erstattet. Es ist ärgerlich, dass die Krankenkassen nicht schneller reagieren“, so Kandzora, der auch Notdienstbeauftragter der Kassenärtztlichen Vereinigung ist. Nachimpfungen seien bei besonders gefährdeten Personengruppen ratsam. Eine Impfung kostet zwischen 30 und 40 Euro.

Die Zunahme der Erkältungs- und Grippefälle führt Allgemeinmediziner Graeser zum großen Teil auf das Wetter zurück: „Durch das feucht-kalte Klima verbreiten sich die Viren besonders gut und da sich jedes bei anderen Temperaturen besonders ausbreitet, gibt es relativ viele verschiedene Viren.“ Das könne dazu führen, dass man häufig krank ist, die Ursache dafür aber jeweils andere Viren seien.

Bei den Apotheken sei derzeit der Bedarf an Medikamenten sehr hoch. „Es kommen viele mit Rezepten, die Antibiotika benötigen, außerdem sind Mittel gegen Fieber oder Erkältungsmittel gefragt“, bestätigte eine Mitarbeiterin der Flora-Apotheke auf Nachfrage.

Im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) seien zwar viele Mitarbeiter von der Erkältungswelle betroffen, „bislang haben wir aber nur einen Grippe-Patienten“, erklärte FEK-Sprecherin Maren von Dollen. Dass das Krankenhaus wie alle anderen Häuser im Land derzeit voll belegt ist, habe damit also nichts zu tun, denn fast alle Stationen seien so ausgelastet. Zu dieser Jahreszeit sei das häufiger der Fall. Einige Patienten können nur noch auf den Gängen unterkommen. „Das tut uns leid, aber wir setzen alles daran, die Menschen schnellstmöglich wieder auf Zimmer zu bekommen“, so Maren von Dollen.

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