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Gerichtsbericht : Erinnerungslücken beim Angeklagten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Neumünsteraner muss sich vor dem Amtsgericht für diverse Taten verantworten, die er mit reichlich Bier und Wodka im Blut begangen haben soll.

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erstellt am 28.Jan.2016 | 08:30 Uhr

Neumünster | Dass der Alkohol kein guter Berater ist, das ist dem Angeklagten (39) mittlerweile auch klar. Dennoch musste sich der Neumünsteraner gestern noch einmal vor dem Amtsgericht für diverse Taten verantworten, die er alle mit reichlich Bier und Wodka im Blut begangen haben soll. Ein Urteil bekam er jedoch noch nicht. Unter anderem machten die Erinnerungslücken des Mannes die Aussagen weiterer Zeugen notwendig. Deshalb wird es einen neuen Prozesstermin geben.

Die Anklage konnte der Familienvater jedoch gestern schon einmal hören. Laut Staatsanwalt soll der Pole am 16. November 2014 morgens gegen 5.50 Uhr im Hinterhof der Gaststätte Titanic an der Wippendorfstraße mit einem Kontrahenten in Streit geraten sein. Demnach versetzte er dem Gegner Faustschläge. Als die Polizei kam, soll er auf die Beamten losgegangen sein und sie übel beschimpft haben. Auch gegen seine Festnahme wehrte er sich offenbar mit Händen und Füßen. Dann wurde er ins Gewahrsam nach Rendsburg gebracht. Ein Foto in der Akte zeigt ihn später mit starken Blessuren im Gesicht. Möglicherweise war sogar die Nase gebrochen.

Der zweite Vorwurf des Staatsanwalts geht auf einen Vorfall am 6. Juni 2015 zurück. Gegen 14.50 Uhr soll der Mann mit seinem kleinen Sohn (2) mit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut bei Penny an der Ehndorfer Straße zum Einkaufen gegangen sein. Im Laden soll er eine Kundin und ihre Tochter (14) mit den Worten „Na ihr fetten Schweine? Kauft nicht so viel. Ihr seid schon fett genug“, beleidigt haben. Als die Frau ihn wenig später vor dem Geschäft zur Rede stellte, soll er sie bespuckt und abermals beleidigt haben. Dann habe er sein Kind in den Kindersitz gesetzt, es mit einem Fahrradschloss angeschnallt und sei trotz seiner Alkoholisierung davongeradelt. An beide Vorfälle hatte der Angeklagte gestern nur vage Erinnerungen, die sich nicht mit den Anklagepunkten deckten. Erstaunt besah er sich das Handyfoto in der Akte der Richterin, das die Kundin vor Penny von ihm und seinem Sohn gemacht haben soll.

Schnell wurde klar, dass noch diverse Zeugen gehört werden müssen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Da der Kontrahent der Kneipenschlägerei mittlerweile in Mönchengladbach wohnt und die Akte zur Vernehmung erst an einen Richter in Nordrhein-Westfalen geschickt werden muss, wurde der Prozess erst einmal ausgesetzt.

In dieser Zeit kann der Mann seine guten Vorsätze, die er der Richterin gestern schon einmal präsentierte, unter Beweis stellen. Er hat gerade eine Arbeitsstelle auf dem Bau angetreten und eine Alkoholtherapie begonnen. Eine Gewaltprävention soll folgen. „Ich kann das meiner Frau und dem Kind nicht mehr antun“, beteuerte er. „Die leiden ja auch darunter, wenn ich zum Beispiel wieder in den Knast muss.“

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