Neumünster : Erinnerungen helfen gegen Demenz

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Als dementeResi Rau veranschaulichte Sabrina Czechorowski vom Kompetenzzentrum Demenz SH (links) gemeinsam mit Dagmar Rösner (Nordkolleg, rechts), wie museale Gegenstände Erinnerungen hervorrufen können. Astrid Frevert, Leiterin von Tuch + Technik, zeigte sich interessiert.
Als dementeResi Rau veranschaulichte Sabrina Czechorowski vom Kompetenzzentrum Demenz SH (links) gemeinsam mit Dagmar Rösner (Nordkolleg, rechts), wie museale Gegenstände Erinnerungen hervorrufen können. Astrid Frevert, Leiterin von Tuch + Technik, zeigte sich interessiert.

Start der Landeskampagne „Museen als Sinnesanregung für Menschen mit Demenz“ – Förderung mit 30 000 Euro.

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Gabriele Vaquette2.jpg von
13. Mai 2019, 18:30 Uhr

Neumünster | „Das Einzige, was mir bleibt, ist der Blick nach draußen. Ich bin blöd geworden, habe alles vergessen...“: Sabrina Czechorowski vom Kompetenzzentrum Demenz Schleswig-Holstein veranschaulichte gestern als „Resi Rau“ auf sensible Art und Weise im Museum Tuch + Technik, wie sich ein dementer Mensch fühlt. Wie Museen Betroffene zu persönlichen Erinnerungen führen können, wurde bei dem Start der Landeskampagne „Museen als Sinnesanregung für Menschen mit Demenz“ deutlich.

„Erkrankte können durch das Museale wie mit einer großen Angel im Gedächtnis fischen“, sagte Brigitte Voß von der Alzheimergesellschaft SH. Doch eine so genannte demenzsensible Museumsführung durch geschultes Personal finde bisher nur in sehr wenigen Museen statt, erklärte Sabrina Czechorowski.

Da sich Demenzkranke häufig unwohl fühlen, wenn sie die vertraute Umgebung verlassen, hat die Museumsführung begrenzte Möglichkeiten

 So eine Führung habe es schon im Tuch + Technik gegeben, erzählte Museumsleiterin Astrid Frevert – 2017 bei der Ausstellung „Gruß aus Neumünster“, wo Demente angesichts verschiedener Gegenstände in Erinnerungen schwelgen konnten. Sie könne sich gut vorstellen, dass einer ihrer Mitarbeiter eine entsprechende Schulung absolvieren könnte, so dass Tuch + Technik ein „Demenz-Partner“ werde.

Demente alte Frau wurde durch den Museumskoffer an viele Dinge von einst erinnert

Wenn die Dementen nicht ins Museum kommen, kommt das Museum ins Heim: Czechorowski spielte die alte Dame, die durch die Inhalte eines Museumskoffers an frühere Zeiten, Spaziergänge im Wald mit ihrem Hund Fred, ihren Mann Wolfgang und Sinnsprüche von einst erinnert wurde.

Die Schulung von Museumsmitarbeitern wird vom Kompetenzzentrum in Kooperation mit der Museums-Zertifizierungsabteilung des Nordkollegs in Rendsburg angeboten. Das landesweite Projekt wird von der NDR-Aktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ mit über 30 000 Euro gefördert, so Dagmar Rösner, Leiterin der Museumszertifizierung.

Etwa 60 000 Demente gibt es landesweit. Diese hätten ein Recht auf gute Teilhabe und ein Leben in Würde. Es müssten sich noch mehr Institutionen und Vereine dem Thema öffnen und Berührungsängste abbauen, betont Dr. Heiner Garg, Schirmherr und Minister für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren, in seinem Grußwort.

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