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Dr. Gisela Wachholtz : Erinnerungen an eine außergewöhnliche Verlegerin

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

sh:z-Redakteur Holger Loose erinnert sich.

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2017 | 11:00 Uhr

Neumünster | Zum Tod von Dr. Gisela Wachholtz hat sh:z-Redakteur Holger Loose seine Erinnerungen an Begegnungen mit der Verlegerin in seinen Jahren beim Holsteinischen Courier aufgeschrieben. Holger Loose hat seit 1983 für den Wachholtz-Verlag gearbeitet und war über viele Jahre Chefredakteur des Holsteinischen Couriers. Die Trauerfeier für Gisela Wachholtz findet heute um 10.45 Uhr in der Auferstehungskapelle statt.

Die erste Begegnung mit Dr. Gisela Wachholtz werde ich nie vergessen. Es war ein warmer Frühjahrstag im Jahr 1983 – mein erster Arbeitstag als Redaktions-Volontär beim Holsteinischen Courier. Ich hatte schon viel gehört von der großen Verlegerin, jetzt stand ich ihr aber zum ersten Mal in ihrem riesigen Büro im alten Courier-Haus am Gänsemarkt gegenüber. Damals wollte die Chefin ihre neuen Mitarbeiter noch persönlich kennenlernen, auch wenn es sich dabei nur um einen kleinen Volontär handelte. Sie war freundlich, aber distanziert. Ich traute mich kaum, ein Wort zu sagen, dafür sammelten sich immer mehr kleine Schweißperlen auf meiner Stirn. Größer als mein Respekt vor dieser erfolgreichen Frau war nur die Erleichterung, als ich nach wenigen Minuten das Büro meiner neuen Chefin wieder verlassen durfte.

Die Wege von „Frau Doktor“, wie Gisela Wachholtz von fast allen Courier-Mitarbeitern genannt wurde, und mir kreuzten sich seit diesem ersten Treffen immer öfter. Die anfängliche Scheu ist schnell gewichen, der Respekt vor ihr aber ist geblieben. Das lag auch daran, dass sie immer mit gutem Beispiel vorangegangen ist. Wenn Not am Mann war, hat die Verlegerin auch selbst mit Hand angelegt. Etwa während eines Streiks, als sie zu später Stunde in der Zeitungsseiten-Montage auftauchte und bei der Produktion half. Wenn wieder einmal eine lange Wahlnacht an einem Sonntag anstand, kümmerte sich die Chefin selbstverständlich persönlich darum, dass ihre Mannschaft mit Würstchen und belegten Broten versorgt wurde. Und natürlich war sie immer mit im Verlagsgebäude, wenn Extraschichten gefahren werden mussten. Auch wenn sie meist diese gewisse Distanz zu ihren Mitarbeitern wahrte, ihre bloße Anwesenheit sorgte für ein sehr angenehmes Wir-Gefühl innerhalb des Courier-Teams. Als Gisela Wachholtz in den 90er-Jahren die Geschicke des Verlages in die Hände ihres Sohnes Uli legte, wurden unsere Begegnungen zwar weniger. Wenn wir uns aber im Flur des Courier-Hauses oder bei Veranstaltungen über den Weg liefen, war immer Zeit für einen kurzen Plausch. „Was gibt es Neues in Neumünster, Herr Loose?“, war meist die erste Frage. Gar keine leichte Frage, wenn man bedenkt, dass sie selbst immer bestens darüber informiert war, was in ihrer Stadt passierte.

Es gibt vieles, was mir von Gisela Wachholtz in Erinnerung bleiben wird: Die obligatorische Mettwurst, die sie jahrelang am letzten Arbeitstag vor Weihnachten an alle Mitarbeiter verteilte, die unzähligen Ehrenämter, die sie mit großem Engagement ausgeübt hat, ihre Liebe für die Kunst, ihr bis ins hohe Alter sehr flotter Fahrstil und natürlich unser erstes Treffen. Vor allem aber wird sie mir als eine große Persönlichkeit in Erinnerung bleiben. 


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