Kulturtafel : Erfolgskonzept soll ausgebaut werden

Simone Ekman und Tim Hildebrandt profitierten bereits von der Kulturtafel, die von Monika Giese (hinten von links), Heidrun Rohwer und Bodo Braker ins Leben gerufen wurde. Anlaufstelle ist das Bildungszentrum Vicelinviertel (im Hintergrund).
Foto:
Simone Ekman und Tim Hildebrandt profitierten bereits von der Kulturtafel, die von Monika Giese (hinten von links), Heidrun Rohwer und Bodo Braker ins Leben gerufen wurde. Anlaufstelle ist das Bildungszentrum Vicelinviertel (im Hintergrund).

Das landesweit einzigartige Projekt hat schon mehr als 250 Eintrittskarten an Menschen mit geringem Einkommen vermittelt. Es gibt ein neues Faltblatt.

von
12. Mai 2015, 05:30 Uhr

Neumünster | Noch vor einem Jahr wäre es für Simone Ekman und Tim Hildebrandt aus finanziellen Gründen unmöglich gewesen, ein Konzert, eine Lesung, eine Theateraufführung oder aber das Bad am Stadtwald zu besuchen. Beide müssen jeden Cent zweimal umdrehen, sie erhalten Geld vom Staat. Doch seit einigen Monaten sind die Neumünsteraner wie mittlerweile mehr als 60 weitere Frauen und Männer bei der Kulturtafel registriert und haben mehrere Veranstaltungen besucht. Und sie sind sich einig: „Wir können wieder an der Gesellschaft teilnehmen und haben tolle neue Erfahrungen gesammelt. Das stärkt unser Selbstbewusstsein und ist einfach toll.“

Verantwortlich für das im September vergangenen Jahres gestartete landesweit einzigartige Projekt (der Courier berichtete) sind Heidrun Rohwer, Monika Giese und Bodo Braker. Sie vermitteln ehrenamtlich und angegliedert an die Tafel Neumünster nicht verkaufte und von den Veranstaltern zur Verfügung gestellte Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen an Menschen, die von Hartz IV, Sozialhilfe, Grundsicherung oder aufgestockter Rente leben. Die Idee: Beide Seiten profitieren. Bedürftige können am Kulturleben teilnehmen, Künstler spielen im Zweifel nicht vor halbleeren Rängen. „Wir haben mittlerweile sehr viele Unterstützer wie die Stadt, die Volkshochschule, die Hallenbetriebe oder die Niederdeutsche Bühne und schon mehr als 250 Karten vermittelt. Es war viel Arbeit, aber die hat sich gelohnt“, sagt Heidrun Rohwer. Doch auch mit Kritikern mussten sich die Initiatoren schon auseinandersetzen. Es gab Beschwerden, zum Beispiel von einer Familie, die beklagte, dass beide Elternteile hart arbeiten müssen, um den Kindern einen Theaterbesuch zu ermöglichen, während Mitglieder der Kulturtafel alles kostenlos erhielten. „Ich habe dann ruhig und sachlich diskutiert. Am Ende gab es ein Einsehen“, sagt Monika Giese.

Nun liegt ein neues Faltblatt mit Anmeldeformular aus, das von der Dr.-Hans-Hoch-Stiftung und der Volksbank finanziert wurde und in einer Auflage von 1000 Stück unter anderem in vielen Ämtern, im Rathaus oder im Konzertbüro Auch + Kneidl (Großflecken) erhältlich ist. Auch in der Tafel wird Werbung gemacht. „Wir rechnen damit, dass wir bald bei 100 und mehr Teilnehmern sind“, sagt Bodo Braker.

Erreichbar ist die Kulturtafel außer in den Sommerferien montags von 10 bis 12 Uhr im Bildungszentrum Vicelinviertel, wochentags von 10 bis 16 Uhr unter Tel. 0152  /  58  6419  39 oder per Mail an kulturtafel-nms@web.de. Wichtig: Wer Mitglied der Kulturtafel ist, hat nicht automatisch Anspruch auf Lebensmittel der Tafel.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen