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Passend zum Dschungelcamp : Erfolgreiche Mehlwurm-Lollis aus Neumünster

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stefan Krauß aus Neumünster betreibt seit einem Jahr einen Internet-Versand für essbare Insekten, und das Geschäft mit Mehlwürmern und Heuschrecken läuft. Sein dreijähriger Sohn mag's.

Neumünster | Wenn heute Abend die erste Folge der neuen Staffel Dschungelcamp läuft, schaltet auch Stefan Krauß den Fernseher ein. Amüsiert wird er verfolgen, wie sich die Kandidaten im australischen Dschungel ekeln – und nebenbei wird Krauß ein paar Zophobas naschen. Die frittierten Larven des Riesen-Schwarzkäfers mag der Neumünsteraner besonders gerne. Für frischen Nachschub ist bei ihm immer gesorgt. Seit einem Jahr betreibt der 43-Jährige in Aukrug einen Internet-Versand für essbare Insekten.

Was in Afrika und Asien längst Alltag ist, will der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann auch in Europa etablieren: Mehlwürmer, Zophobas, Heuschrecken und anderes Krabbelgetier auf dem Speiseteller.

Das erste Jahr seines Ein-Mann-Unternehmens war erfolgreich. Die Zahl seiner Kunden wächst schnell. Bis zu einer Tonne der Insekten plant er in diesem Jahr zu vermarkten.

Die Idee zu dem ungewöhnlichen Geschäft kam ihm nach einem Kochkurs Anfang 2012. „Da habe ich die Insekten zum ersten Mal probiert, und sie haben mir geschmeckt.“ Krauß informiert sich, stößt bei seinen Recherchen auch auf Angaben der Welternährungsorganisation. „Insekten auf dem Speiseplan werden in den nächsten 50 Jahren auch in Europa an Bedeutung zunehmen“, ist er sich sicher. Sie enthalten doppelt so viele Proteine wie Fisch oder Fleisch, außerdem ungesättigte Fettsäuren, Vitamine und Mineralien. Zudem verweist Krauß auf die Umweltbilanz: „Ein Rind verbraucht bis zur Fleischertheke 16 000 Liter Wasser. Eine Kiste Mehlwürmer noch nicht einmal einen Bruchteil davon“, sagt er. Im Freundes- und Bekanntenkreis gibt er einige Verkostungen, die gut ankommen. „Mit Dips, in Salaten oder Suppen sind die Dinger besonders lecker.“ Schließlich eröffnet er Anfang 2013 seinen eigenen Internet-Handel.

Wichtig ist ihm die Frische. Die Tiere bezieht er lebend und ausschließlich von europäischen Farmen. Sie werden frittiert und dann in Portionen zu acht bis zehn Gramm für die Kunden abgepackt, zu einem Preis zwischen 2,99 Euro und 4,49 Euro, je nach Würze. Ein besonderer Verkaufsschlager sind die Insekten-Lollis mit eingeschlossenen Mehlwürmern oder Zophobas, wahlweise in Mango-, Zitronen-, Orangen- oder Kirschgeschmack. „Die haben wir zu Halloween an der Haustür verteilt. Das war der Renner. Keiner hat sich beschwert“, sagt Stefan Krauß lachend. Den anfänglichen Ekel mancher Menschen, das Ungeziefer zu verspeisen, kann er allerdings verstehen. „Es ist eine reine Kopfsache. Wir essen ja auch andere Tiere“, sagt er.

Krauß’ Sohn Tibo (3) jedenfalls hat keine Scheu. Fragt man den kleinen Mann nach seinem Lieblingsgericht, so muss der nicht lange überlegen: „Pfannkuchen und Mehlwürmer.“

Auch Oma Jutta Tempel verspeist gerne Mal einen gemischten Insekten-Teller. Nur bei einer in der Familie kommt Stefan Krauß gar nicht an: bei Ehefrau Annika Tempel. Sie wird heute Abend beim Fernsehen wohl ganz klassisch eine Tüte Chips knabbern.

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erstellt am 17.Jan.2014 | 05:00 Uhr

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