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Zweiter Weltkrieg : Erdbunker boten kaum Schutz

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vor 70 Jahren traf ein zweiter schwerer Luftangriff Neumünster. Ein Ziel in Brachenfeld war die Rüstungsfirma Sörensen und Köster

Neumünster | Am 6. November 1944, also genau vor 70 Jahren, flogen alliierte Bomberverbände den zweiten großen Luftangriff auf Neumünster. Mit 293 Toten war er noch verheerender als der erste Großangriff am 25. Oktober mit 181 Opfern. Der frühere Wilhelmsruh-Gastwirt Detlef Gier (87) erlebte das Inferno als 17-Jähriger auf dem bäuerlichen Betrieb seiner Eltern an der Hauptstraße 84 in Brachenfeld.

„Um 1 Uhr gab es Voralarm. Mein Vater ließ sofort die Pferde anspannen. Mit Pferd und Wagen ging’s im Galopp zum Großen Beek im Gadelander Weg“, so Gier. Im sogenannten Zigeunerweg waren die Knicks in der Krone so zusammengewachsen, dass man aus der Luft nicht mehr zu sehen war. „Und dann fielen auch schon die Bomben in mehreren Wellen“, so Gier.

In Brachenfeld dürfte die Rüstungsfirma Sörensen und Köster (später: Vereinigte Aluminiumwerke) ein Ziel gewesen sein. Dort wurden Hülsen für Flakgeschosse hergestellt. „Eine Bombe fiel auf die Hauptstraße in Höhe unserer Veranda an der Ecke zum Altenteil von Tante Magda“, sagt Detlef Gier. Die Familie hatte Glück: Nur ein paar Scheiben gingen zu Bruch, und die Haustür war verzogen.

Schräg gegenüber fielen die Bomben in die Gärten und die Wiesen. Viele explodierten im Brachenfelder Gehölz. „Brachenfeld und die Hauptstraße lagen an der westlichen Grenze des Bombenteppichs, der im Osten bis an die Ascheberger Bahn reichte“, weiß der gebürtige Brachenfelder und passionierte Heimatforscher Hermann Büttner (79). „Im Haus an der Hauptstraße 65 wohnten meine Großeltern und meine Tante. Sie war beim Oktober-Angriff in der Augustastraße ausgebombt worden. Nach ihren Erzählungen wackelte das Haus wie in einem Seesturm“, sagt Büttner.

Seine spätere Frau Hermi war damals fünf Jahre alt und mit der Mutter und den Schwestern in einem Erdbunker am Heischredder in Deckung gegangen. „Als sie nach dem Angriff wieder ins Freie traten, konnten sie das Haus vor lauter Rauch und Qualm nicht mehr erkennen“, sagt Hermann Büttner.

Dass solche improvisierten Bunker kaum Schutz boten, zeigte das Schicksal der Familie Harbeck in Aufeld. Ihr Erdbunker wurde von einer Bombe getroffen, alle waren tot. „Nur die Tochter Hillu wurde irgendwie herausgeschleudert und überlebte“, sagt Detlef Gier. Er hat seine Erinnerungen und Gedanken aufgeschrieben. Detlef Gier: „Viele der Opfer wurden in der Reithalle der Gadelander Kaserne abgelegt, nebeneinander und in Reihen.“

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erstellt am 06.Nov.2014 | 06:30 Uhr

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