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Vortrag von Monika Krebs : „Erben ließ den Menschen ihre Würde“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Monika Krebs berichtete im Museum Tuch + Technik über den Courier-Fotografen Walter Erben und sein Handwerk.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 09:00 Uhr

Neumünster | Günter Humpe-Waßmuth zeigte sich hocherfreut über das große Interesse. 50 Besucher konnte der 1. Vorsitzende vom Förderverein Museum Tuch + Technik am Montagabend zur dritten Veranstaltung der Vortragsreihe „Auf Tuchfühlung...“ begrüßen. Dieses Mal stand Monika Krebs auf dem Podium. Als Besitzerin der Sammlung Walter Erben sprach die ausgebildete Journalistin und Fotografin über das Thema „Walter Erben – der Fotograf und sein Handwerk“.

„Walter Erben war mein Meister“, schickte Monika Krebs ihrem Vortrag voran. Als junge Volontärin beim Holsteinischen Courier habe sie das große Glück gehabt „dem begnadeten Fotografen bei der Arbeit über die Schulter sehen zu dürfen“, erklärte die Archivarin. „Walter Erbens reduzierte Schwarz-Weiß-Fotografien können Geschichten erzählen“, ist sich Monika Krebs sicher. Mit einem brillanten Auge für das Motiv und dem richtigen Moment habe der Fotograf über Jahrzehnte Bilder gemacht, die der ehemalige Chefredakteur des Couriers Jürgen Peters als „Stadtkulturerbe“ bezeichnete. Dieses Erbe galt es zu bewahren. Soviel stand für Monika Krebs fest, als Walter Erben 1988 starb.

2010, 22 Jahre nach seinem Tod, nahm sie deshalb den Nachlass von der Witwe entgegen. „80 000 bis 100 000 Negative aus der Zeit von 1948 bis 1982 umfasst der Schatz“, sagte die Journalistin. Auch in sieben Jahren sei es ihr noch nicht gelungen, alle Bilder zu sichten.

„So penibel er auf den richtigen Moment wartete, so chaotisch war er bei der Archivierung seiner Fotos“, sagte sie und hielt als Beweis kleine Umschläge hoch, in die Walter Erben statt einem bis zu sieben Negativstreifen gesteckt hatte. Nicht etwa nach Thema oder Aufnahmejahr sortiert, sondern kreuz und quer durcheinander. Eine einzige Kladde habe sie im Nachlass gefunden. Eintragungen, wie „946: Spiegelei und 156:
Pilsener“ seien dort in Spalten notiert. „Beim Durchblättern lustig, aber für
die Zuordnung unbrauchbar“, sagte sie.

Walter Erben fotografierte alles, was ihm vor die Linse kam, und was er für abbildungswürdig hielt. Das Spektrum seiner Arbeiten ist äußerst umfangreich. Es umfasst neben Tageszeitungs- und Sportfotografie auch Landschafts-, Industrie-, Porträt- und Theaterfotografie. „Walter Erben ging mit offenen Augen durch die Welt. Er hatte ein sehr feines Gespür für die Menschen und das, was sie bewegt“, sagte Monika Krebs. Es sei ihm stets gelungen, sich den Menschen zu nähern, ohne ihnen zu nahe zu treten. „Egal, ob Fernsehstar oder armer Straßenmusiker – Walter Erben hat den Menschen ihre Würde gelassen“, beschrieb sie ihren Meister.

Die nächste Veranstaltung in der Vortragsreihe „Auf Tuchfühlung  .  .  .“ findet am 14. November statt. Dann wird Stefan Back, der Leiter der Musikschule, über seine Arbeit sprechen.

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