Runder Geburtstag : Er war ein Diener dieser Stadt

Alles Gute zum 90. Geburtstag: Dr. Olaf Tauras (von links) dankte Dr. Uwe Harder mit einem guten Rotwein. Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek überreichte eine Urkunde der Stadt und des Ministerpräsidenten.
Alles Gute zum 90. Geburtstag: Dr. Olaf Tauras (von links) dankte Dr. Uwe Harder mit einem guten Rotwein. Stadtpräsident Friedrich-Wilhelm Strohdiek überreichte eine Urkunde der Stadt und des Ministerpräsidenten.

Empfang zum 90. Geburtstag von Alt-Oberbürgermeister Dr. Uwe Harder. Er sagt: "Neumünster brauchte eine längere Zeit, um zu wissen: Wir sind wer."

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09. November 2013, 07:45 Uhr

18 Jahre lang, von 1970 bis 1988, prägte Dr. Uwe Harder als Oberbürgermeister die Geschicke Neumünsters. Am 2. November feierte er seinen 90. Geburtstag, und gestern würdigte die Stadt ihren Alt-OB mit einem Empfang im Rathaus. Mit den Worten „Wiederholungen sind langweilig“ hatte sich Harder kurze Redebeiträge erbeten. Sein Nachfolger Dr. Olaf Tauras und Harders Studienfreund, der frühere Städtebund-Geschäftsführer Dr. Magnus Staak, versuchten ihr Bestes. Doch das war gar nicht so einfach bei einer Persönlichkeit von Harders Kaliber.

Tauras versuchte es mit einem Zitat des damaligen Stadtpräsidenten Helmut Loose, der Harder 1988 als „Mann schneller und klarer – und wenn notwendig auch mutiger und unbequemer – Entscheidungen“ beschrieben hatte. Harder habe die sich abzeichnende finanzielle Situation der kreisfreien Städte sehr frühzeitig erkannt und auf äußerste Sparsamkeit der Verwaltung gedrängt. „Was soll ich diesen Worten noch anfügen?“, fragte Tauras und dankte Harder, der auch im Ruhestand mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg halte und Probleme offen anspreche – und damit nicht immer auf der Linie seiner Partei, der SPD, liege. Tauras: „Sie bewegt das, was uns alle motivieren sollte: Das Wohl und die Zukunft dieser Stadt.“

Die launigsten Beiträge und Anekdoten lieferte, natürlich, Harder selbst: „Ich bin 18 Jahre lang Diener dieser Stadt gewesen.“ Offiziell beworben habe er sich in Neumünster übrigens nicht. „Man hat mich geholt, und daran hat auch der ‚Rote Jochen‘ Steffen aus Kiel mitgewirkt“, sagte Harder. Er bekannte, dass er voller Skepsis vom Posten des Oberstadtdirektors in Castrop-Rauxel auf den OB-Sessel nach Neumünster gewechselt war. Der Slogan „Neumünster, Liebe auf den zweiten Blick“ sei noch geschönt gewesen. Harder: „Es ist gut, dass man davon abgekommen ist. Die Stadt brauchte eine längere Zeit, um zu wissen: Wir sind wer.“ Jetzt befinde sich Neumünster im Aufbruch, aber „es herrscht noch zu viel Kleinmut“, sagte Harder: „Man tut sich schwer, ein großes Projekt durchzusetzen – dazu brauchte es immer ein paar Abweichler.“ Das war wohl eine Anspielung auf die politische Entstehungsgeschichte der Stadthalle Anfang der 80er-Jahre und aktuell auf die Entscheidung für das ECE-Einkaufszentrum.

Die Neumünsteraner schätzen ihren Alt-OB. „Wie oft kommt es vor, dass ich angesprochen werde – bei Aldi oder auf dem Wochenmarkt. Das ist für mich eine Bestätigung, ein Echo meines Wirkens“, sagte Uwe Harder.

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