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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2017 | 09:23 Uhr

Gericht : „Er hat meine Existenz zerstört“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Amtsgericht verhandelt wegen Betruges gegen 53-jährigen Neumünsteraner. Er soll einen Kleinhändler aus Lütjenburg ruiniert haben

von
erstellt am 26.Feb.2014 | 06:30 Uhr

Ist er nun ein Gauner, oder hat er „nur“ die Übersicht über seine Finanzen verloren? Seit gestern Morgen versucht das Amtsgericht, dieser Frage nachzuspüren. Vor dem Richtertisch steht ein 53-jähriger Neumünsteraner, der gleich mehrfach Geschäftspartner übers Ohr gehauen haben soll – aber reich an Erklärungen ist.

Einen Neumünsteraner Reifenhändler soll er um 839 Euro geprellt haben. Er unterschrieb eine Einzugsermächtigung, obwohl er angeblich wusste, dass sein Konto nicht gedeckt war. Der Angeklagte bestritt das: Ein Bekannter, dem er einen Teppich verkauft habe, sei die zweite Rate trotz mehrfacher Mahnung schuldig geblieben. Nur deshalb sei das Konto leer gewesen, versicherte er. Zahlungsverzug ja, aber von Betrug könne keine Rede sein.

Für den Zeugen in einem anderen Fall ist die Frage nach Schuld oder Unschuld dagegen längst geklärt: „Er hat meine Existenz zerstört“, beschwerte sich der Lütjenburger über den Angeklagten. Detailliert beschrieb er dem Gericht, wie er den Mann auf einem Flohmarkt in Neumünster kennengelernt und der ihn mit lukrativen Schnäppchen gelockt hatte. Schließlich habe er ihm 1000 Euro geliehen. Dafür sollte er in Berlin Laptops, Rasierer und Videospiele für den Second-Hand-Laden des Lütjenburgers einkaufen. Der Kleinhändler sah weder Geld noch Ware und wurde über Monate vertröstet. Beim letzten Kontakt hatte ihm der Neumünsteraner den Gegenwert in Hausschuhen angeboten. „Da wusste ich, dass das Geld weg ist“, sagte der Kleinhändler, der seinen Laden kurz danach aufgeben musste. Vor Gericht hörte der Geprellte gestern eine neue Version des Angeklagten: Er habe das Geld seinem Vater gegeben, der sollte in Berlin einkaufen, sei dann aber plötzlich verstorben. Wo das Geld geblieben sei, wisse niemand.

Das Gericht will jetzt weitere Zeugen hören. Der Prozess wird am 12. März um 10 Uhr fortgesetzt.

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