zur Navigation springen

Glückliches Wiedersehen : Entführter Junge ist wieder da

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fünf Wochen kämpfte Katharina D. in Dubai um ihr Kind. Der kleine Neumünsteraner war dort vom Vater verschleppt worden. Jetzt hofft sie auf die Ausreise.

Neumünster | Die junge Mutter kann ihr Glück kaum fassen. Seit Montagvormittag hält Katharina D. (27), deren Sohn Rayan (1) in Dubai von seinem Vater entführt wurde, ihr Kind wieder in den Armen. Dem kleinen Jungen mit dem Lockenkopf, der im April 2014 in Neumünster geboren wurde, geht es den Umständen entsprechend gut.

„Ich hab ihn wieder! Wir sind wieder vereint! Ich kann mein Glück noch gar nicht fassen. Danke an alle, die an mich geglaubt haben! Danke euch Lieben für die Gebete!   Fünf lange Wochen sind es nun gewesen“, schreibt die junge Deutsche nach dem Wiedersehen mit ihrem Kind noch ganz aufgewühlt auf ihrer Facebook-Seite „Hilfe für Katharina“. Innerhalb kürzester Zeit erhält sie fast 100 Kommentare mit viel Zuspruch. Denn der Horror ist für sie noch nicht vorbei. Nach wie vor darf ihr Sohn die Vereinigten Arabischen Emirate nach einem Veto des Vaters nicht verlassen (der Courier berichtete). Seine Mutter kämpft deshalb weiter um die Ausreise. Sie möchte mit ihrem Kind wieder nach Hause – nach Deutschland.

Dort warten Freunde und Familie sehnsüchtig auf die beiden – und versuchen nach Kräften, sie zu unterstützen. Rayans Großeltern, Elena D. (58) und Hans-Jürgen Scheel (62), haben von Geburt an ein enges Verhältnis zu dem Jungen. Denn auf Wunsch von Katharina wurde er einst im Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster geboren. Die Familie lebte jahrelang in Ruthenberg. Zuvor hatte Katharina in ihrem Beruf Auslandserfahrungen sammeln wollen und in Dubai als Bar-Managerin im renommierten Radisson-Blue-Hotel Karriere gemacht. Dort lernte sie schließlich auch Rayans Vater, einen ägyptischen Anwalt, kennen. Das Paar heiratete im August 2013 in Dubai. Doch die Ehe zerbrach, als der Mann nach der Geburt des Sohnes offenbar zum Tyrann wurde, seine Frau angriff und in der Wohnung einsperrte. Mit dem Kind gelang ihr die Flucht, monatelang versteckte sie sich mit Rayan bei Helfern und Freunden. Bei einem Treffen mit dem Vater vor fünf Wochen nahm er ihr den Kleinen weg und verschwand.

Die Nachricht, dass Rayan der Mutter zurückgegeben werden soll, erreichte die Großeltern am Sonntag zuhause in Bad Bevensen (Niedersachsen), wo sie mittlerweile wohnen. „Es war am Nachmittag. Katharina schickte uns eine Sprachnachricht, dass die Anwälte sich geeinigt hätten. Sie könnte am Montag ihren Sohn zurückbekommen“, erinnert sich Hans-Jürgen Scheel. Dann begann auch für sie das Bangen und Warten. Würde alles klappen?

Die Übergabe  sollte im Gericht in Dubai stattfinden. Und tatsächlich: Als Katharina am Montagvormittag am Treffpunkt erschien, wartete dort der kleine Rayan auf sie – gemeinsam mit seiner Großmutter väterlicherseits und einem Anwalt. Der Vater war nicht erschienen. Der erfolgreiche Jurist fürchtete offenbar seine Verhaftung. Immerhin liegen nach den gewalttätigen Angriffen auf Katharina Anzeigen wegen Körperverletzung und nach dem Verschwinden von Rayan auch wegen Kindesentführung gegen ihn vor. Dass er das Kind jetzt zurückgab, mag auch am hohen Fahndungsdruck gelegen haben. Immerhin hatten die Mutter und ihre Familie neben den Behörden vor Ort auch die deutschen Ermittler und Interpol eingeschaltet.

Nach dem glücklichen Wiedersehen mit ihrem Sohn schilderte Katharina ihrer Mutter und ihrem Stiefvater den ergreifenden Moment im fernen Dubai: „Als Rayan seine Mutter sah und ihre Stimme hörte, wollte er sofort zur Mama. Doch die Großmutter wollte ihn zuerst nicht hergeben“, berichtet Hans-Jürgen Scheel. Der erste Gang nach der Rückgabe führte Katharina ins Krankenhaus zu einem Kinderarzt. Dort habe man ihr bescheinigt, dass ihr Sohn zu wenig Flüssigkeit bekommen habe. Sonst scheint Rayan aber gesund zu sein. „Im ersten Video, das Katharina von ihm geschickt hat, wirkte er extrem zurückhaltend und war so blass“, beschreibt der Großvater. „Das ist nicht der alte Rayan“, so der Eindruck der besorgten Familie in Deutschland. Zum Glück scheint sich der kleine Junge aber schnell wieder einzuleben. „Am Dienstag beim Skypen wirkte er schon wieder recht fröhlich“, erzählen die Großeltern erfreut. Sie hoffen jetzt, dass Katharina und Rayan in dem Familiendrama auch die letzte Hürde schnell nehmen und bald ausreisen können. Am 1. Oktober ist erneut ein Termin im Scheidungsverfahren anberaumt. Mit viel Glück könnte der Richter dann entscheiden, dass das Kind das Land mit seiner Mutter wieder verlassen darf.

zur Startseite

von
erstellt am 24.Sep.2015 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert