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Wochenmarkt in Neumünster : Enkeltrick und falsche Polizisten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Präventionsbeamte der Polizeidirektion geben Senioren Sicherheitstipps. Premiere kommt bei den Wochenmarkt-Besuchern gut an.

von
erstellt am 18.Okt.2017 | 09:00 Uhr

Neumünster | „Bei uns war schon mal einer an der Tür und sagte, er hat hier eine Wohnung. Das stimmte alles nicht, das war ein Betrüger“ – Marie-Luise Weiß (81) aus Brachenfeld ist aus Erfahrung vorsichtig. „Und das ist richtig so“, sagte Hauptkommissarin Petra Strahl. Die Leiterin der Präventionsstelle bei der Polizeidirektion Neumünster war gestern mit ihrem Kollegen Jörg Fischer auf dem Wochenmarkt, um gerade Senioren Sicherheitstipps zu geben.

Marie-Luise Weiß gab sie mit auf den Weg: „Fremde nicht in die Wohnung lassen. Niemand kommt unangemeldet, wenn es etwas Wichtiges ist.“ Und selbst die Anmeldung kann eine miese Masche der Gauner sein. Der sogenannte Enkeltrick, bei dem ein vermeintlicher Enkel oder Neffe am Telefon eine Notlage vorgaukelt und dann jemanden schickt, um Geld abzuholen, ist zwar etwas auf dem Rückzug. „Darauf fallen wegen der guten Aufklärungsarbeit weniger alte Menschen herein“, sagte Petra Strahl.

Die neueste Masche sei es, sich am Telefon oder direkt an der Haustür als Polizeibeamter auszugeben. Unter dem Vorwand, die Polizei habe Hinweise auf einen geplanten Einbruch oder müsse Spuren sichern, werden die Opfer aufgefordert, ihre Wertsachen einem unbekannten zu übergeben oder irgendwo abzulegen.

Auch auf die Bankersparnisse der alten Leute haben es die Trickbetrüger abgesehen. Mit dem Hinweis, die Bankmitarbeiter seien korrupt, werden die Opfer gedrängt, Depots und Konten zu leeren und zu übergeben. Immer öfter mit Erfolg. Allein von Januar bis September gab es in Schleswig-Holstein schon 19 Beutezüge solcher falschen Polizeibeamten mit einem Gesamtschaden von 1,2 Millionen Euro. Dazu kommen noch 330 versuchte Taten. Im gesamten Jahr 2016 registrierte die Polizei noch 17 Taten und 157 Versuche.

„Doch wie erkenne ich einen echten Polizisten“, wollte Brigitte Kahlau (71) aus der Innenstadt von Jörg Fischer wissen. „Selbst wenn auf dem Telefondisplay 110 steht, ist das nicht unbedingt die Polizei. Lassen Sie sich den Ausweis zeigen und rufen Sie im Zweifel die Polizei selbst über 110 an“, sagte Fischer. Brigitte Kahlau ist vorsichtig. Sie trägt ihre Handtasche diagonal über der Schulter, Wertsachen am Körper und will die Tipps beherzigen.

Die Polizisten sind mit der Premiere ihrer aufsuchenden Präventionsarbeit zufrieden. „Wir haben uns ganz bewusst die Wochenmärkte ausgesucht. Die sind gut besucht, da sind die Senioren, mit denen wir ins Gespräch kommen wollen“, sagte Petra Strahl. Die ausgegebenen Informationsblätter finden reges Interesse. Heute ist das Infomobil des Landespolizeiamts auf dem Schiffsbrückenplatz in Rendsburg zu finden, morgen in Kronshagen, am Freitag dann in Gettorf und von 14 bis 18 Uhr auf dem Wochenmarkt in Tungendorf. Am Sonnabend, 21. Oktober, ist dann von 7.30 bis 14 Uhr erneut Station auf dem Wochenmarkt am Großflecken. „Sprechen Sie uns an. Wir wollen, dass Sie sicher leben“, sagte Petra Strahl.

Standpunkt

Aufklärung am richtigen Ort

Gerade ältere Menschen rücken als vermeintlich leichte Opfer in den Fokus von Trickbetrügern.  Die gestern gestartete Aufklärungskampagne der Polizeidirektion will gegensteuern – und das genau am richten Ort. Die Präventionsbeamten zeigen Flagge auf dem Wochenmarkt. Hierher kommen  viele Ältere zum Einkaufen, hier auf dem Marktplatz trifft man sich zum Klönschnack. Es gibt keine bessere Gelegenheit, um  über die neuesten Maschen der Betrüger aufzuklären und zu zeigen, wie man sich schützen kann.

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