Jugendtheaterfestival : Engagiertes Spiel ohne roten Faden

Schülerinnen der achten Klasse der Schule Hohe Geest bei der Premiere „Alles ganz anders“.
Schülerinnen der achten Klasse der Schule Hohe Geest bei der Premiere „Alles ganz anders“.

Schüler der Schule Hohe Geest aus Hohenwestedt zeigten „Alles ganz anders“ und Szenen aus „Top Dogs“.

shz.de von
07. Juni 2014, 17:00 Uhr

Neumünster | Theater kann erzieherisch wirken, gesellschaftskritisch oder schlicht unterhaltsam sein. Das im Jugendtheaterfestival am Donnerstag vor 160 Zuschauern gebotene Stück „Alles ganz anders“ von Schülern der Schule Hohe Geest aus Hohenwestedt war leider nichts von alledem.

In der von den Schülern selbst verfassten Kollage gab es 22 Szenen ohne Handlungsstrang, ungezählte eindimensionale Personen, sich strapaziös wiederholende Themen: Man hat erfahren, dass Frauen, die Bier trinken und Fußball gut finden, genauso nerven können wie Männer; dass es Jugendliche gibt, die Smartphones benutzen, ohne smart zu sein – aber dafür pöbelig; Dicke, die im Imbiss Salat und Wasser kaufen und dafür von der Verkäuferin ungläubig angesehen werden – ist das schon Gesellschaftskritik?

Dabei hatte es ganz gut angefangen: Gelangweilt eröffnet eine Schülerin bei voller Beleuchtung das Stück und ist damit schon Teil der Aufführung. Auch der phlegmatische Wolf, der unmotiviert Rotkäppchen jagt, wird als solcher thematisiert. Auch die Tanzeinlagen waren schön anzusehen: Aus ihrem traditionellen musikalischen Zusammenhang genommen, präsentierte sich Ballett zu Heavy Metal, Moderner Tanz zu Klassik. Aber die Idee, Klischees – Mann, Bier, Fußball – aufzugreifen und in einen anderen Kontext zu bringen – Frau, Bier, Fußball – bleibt im Versuch stecken.

Im zweiten Teil der Aufführung brachten Zehntklässler dann Szenen aus „Top Dogs“ auf die Bühne. Auch hier war alles ganz anders: Erfolgreich hatte der Jugendtheaterclub dieses Stück kürzlich aufgeführt – in dieser zähen Darbietung gab es nicht einmal Textsicherheit. Schade, denn festgehalten werden muss, dass die Spiellust aller Schüler bemerkenswert war. Es wäre die Aufgabe des Lehrers gewesen, diese Motivation in eine anspruchsvollere Richtung zu lenken. Zumal die Jugendlichen Darstellendes Spiel, also ein Schulfach, keine AG, belegt haben.

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