zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 14:28 Uhr

Boostedt : Emmi Hansen schließt für immer ab

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Heute steigt die Kehraus-Party im Waldkater. Das Lokal wird aufgeben.

Boostedt | Heute schließt Boostedts Traditionsgaststätte „Zum Waldkater“ endgültig ihre Türen. Doch bevor der Zapfhahn in der Gaststube endgültig stillgelegt wird und die Stühle hochgestellt werden, soll es heute nach dem Wunsch der Wirtin noch einmal eine große Abschiedsparty geben. „Von 11 bis 23 Uhr sind alle Boostedter und Freunde herzlich willkommen. Der Keller und der Kühlschrank müssen leer werden, sonst muss ich ja alles alleine essen“, sagt Emmi Hansen. 58 Jahre lang hat sie hinter der Theke im Haus am Tegelbarg gestanden.

Ausgeschenkt wird heute natürlich auch der schon legendäre „Emmi spezial“, ein selbst erdachter Schnaps, auf den die Gäste allerdings ab morgen verzichten müssen. „Viele Boostedter haben sich schon bei uns gemeldet, um sich ein Erinnerungsstück zu sichern. So ist der Stammtisch zum Beispiel bereits vergeben und auch für die Barhocker und ein Teil des Geschirrs gibt es Interessenten“, erzählt Thea Zöllner (57), die gemeinsam mit ihrer Schwester Renate Prieß (56) in der Gaststätte aufwuchs.

„Ab und zu haben wir schon einen Kloß im Hals. Es kommt so manche lustige und kuriose Geschichte wieder auf den Tisch, an die man sich gern erinnert oder über die man heute noch lacht. Schließlich haben wir viele Gäste praktisch von der Wiege bis zur Bahre begleitet“, erzählt Thea Zöllner. „Oft kam es vor, dass jemand mit seinem Enkel an der Theke stand und sich ins Gedächtnis rief, dass er selbst auch schon von seinem Opa hier eine Brause bekommen hatte“, berichtet sie schmunzelnd weiter.

Bewiesen wird die Verbundenheit des „Waldkaters“ mit der Gemeinde auch durch einige beeindruckende Zahlen, die die „Weiberwirtschaft“ zusammengetragen hat. So wurden in den vergangenen Jahrzehnten rund 9000 große und kleine Feiern ausgerichtet. Mehr als 300 Hochzeiten und unzählige Polterabende mit bis zu 150 Gästen wurden hier gefeiert.

Rund 120 Kilogramm Spargel und 350 Kilogramm Kartoffeln wurden pro Saison geschält. Und die vielen Liter Suppen und Soßen, die in der kaum 20 Quadratmeter messenden Küche zubereitet wurden, sind gar nicht mehr zu schätzen.

„Es war immer was los. Die Gaststube war gut besucht. Vom Nachmittag an bis oft in die späte Nacht hatten wir zu tun“, erinnert sich Emmi Hansen an bessere Zeiten, in denen der Besuch der Gaststätte noch zur Tradition unter den Boostedtern gehörte.

Das hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Doch heute wollen die Frauen mit ihren Gästen nicht trauern, sondern es noch einmal ordentlich krachen lassen.

Für die nächsten Jahre plant die Familie den Umbau der Gaststätte in ein Haus mit Wohnungen für die Mutter und ihre Töchter. „Einige haben uns deshalb schon für verrückt erklärt, aber wir hängen an dem Haus, und so machen wir jetzt etwas Neues daraus“, erklärten die drei Damen gewohnt einhellig.





Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen