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Waldkindergarten : Eltern fordern verlässliche Entscheidung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Landespolitiker stellen Lösung – vielleicht schon im Februar – in Aussicht.

Schillsdorf | Gestern Nachmittag war im Bokhorster Waldkindergarten mächtig viel los. Über 100 Kinder und Erwachsene hatten sich zu einer Kundgebung eingefunden. Geplant war ein Trauermarsch, um den Abtransport des Bauwagens zu begleiten. Doch knapp 24 Stunden zuvor hatte der Kreis Plön entschieden, „die Anordnung zur Beseitigung des Bauwagens zunächst bis auf Weiteres auszusetzen“.

Erzieherinnen, Kinder und Eltern wollen endlich eine klare Entscheidung. Seit fast zwei Jahren wird darum gerungen, dass ein Aufenthaltswagen für die Kinder aus der Bokhorster Waldkindergartengruppe aufgestellt werden darf. Knackpunkt: Der Wagen darf nur mit einer Baugenehmigung im Wald stehen.

Im Oktober 2012 haben sich die ersten 15 Kinder der Waldgruppe auf dem zwei Hektar großen Bokhorster Waldgelände mit ihren Betreuerinnen eingerichtet. Das Gelände stellte Waldbesitzer Harry von Bülow vom Gut Altbokhorst pachtfrei zur Verfügung. Groß war die Freude bei Kindern, Betreuern, Eltern und Kirchengemeinde, als es mit Hilfe von Bingo-Lotto einen hölzernen Aufenthaltswagen als Spende gab, den die Kinder fortan als Schutzraum und zur Aufbewahrung vieler kleiner Dinge oder zum Trocknen ihrer Kleidung nutzen konnten.

Bis zum April 2015 schien die Welt in Ordnung. Dann kam der Hinweis aus der Bauverwaltung des Kreises, dass der Wagen ohne Baugenehmigung dort nicht stehen dürfe. Eine Genehmigung sei allerdings durch das Landeswaldgesetz nicht möglich. Gruppenleiterin Petra Rothenburg-Bahr kämpfte, zog im September 2015 sogar mit den Kindern und Eltern vor den Kieler Petitionsausschuss. Letztlich blieb das Ringen ohne Erfolg. Im Januar kam dann mit der Beseitigungsverfügung das offensichtliche Aus. Petra Rothenburg-Bahr und ihre Mitstreiter wollten aufgeben, den Wagen gestern aus dem Wald auf die Kirchenwiese ziehen lassen.

Die Überraschung folgte Dienstagnachmittag mit einer E-Mail vom Kreisbauamt Plön. Laut einer neu eingefügten Vorschrift des § 24 Abs. 2 Satz 3 Landeswaldgesetz heißt es: „Eine Unterschreitung des Waldabstands zugunsten von baulichen Anlagen waldpädagogischer Einrichtungen kann bereits zugelassen werden, wenn diese nicht durch Windwurf oder Waldbrand gefährdet werden und von ihnen keine Waldbrandgefahr ausgeht.“ Damit, so Bauamtsleiterin Britta Rieser, sehe der Kreis vorläufig keinen Grund mehr, die Beseitigungsverfügung aufrechtzuerhalten und bis auf Weiteres auszusetzen. Im Anschluss soll eine erneute Beteiligung der Forstbehörde folgen und die Möglichkeit einer Ausnahme geprüft werden.

„Auch wenn der Trecker bereits bereitstand, ich bin mehr als froh, den Waldwagen der Kinder heute nicht aus dem Wald ziehen zu müssen“, sagte Waldbesitzer Harry von Bülow gestern Nachmittag. Auf der Kundgebung forderten Waldgruppenleiterin Petra Rothenburg-Bahr und Kirchenvorstand Hermann Marsian gemeinsam mit Waldbesitzer Harry von Bülow und den Betroffenen, endlich verbindliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Da das Thema mehrere Waldkindergärten im Land beschäftigt, war gestern in Bokhorst auch Politprominenz vor Ort: CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther, Fraktionschefin Eka von Kalben von den Grünen und die SPD-Landtagsabgeordnete Regina Poersch. „Das Problem, das viele der 196 Waldkindergartengruppen im Land teilen, war auf der landespolitischen Ebene nicht bewusst genug“, meinte Daniel Günther. Jetzt sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden, und vielleicht gebe es bereits im Februar eine Lösung für alle Waldkindergärten im Land. 

Kommentar von Susanne Otto

Erst die Wahl macht’s möglich!

Ob der Bauwagen im Wald stehen bleiben dürfe, werde jetzt erneut geprüft, ließ der Kreis Plön vorgestern Abend wissen. Da fragt man sich, was die zuständigen Behörden und Ministerien in den vergangenen (fast) zwei Jahren gemacht haben. So lange  dauert der leidige Streit nämlich schon an.  Immer wieder neue Auslegungen der   Gesetze  und immer wieder Aufschub:      große Hilflosigkeit in den Amtsstuben!

Dass   nun plötzlich massives Interesse daran besteht, das Problem zu lösen, liegt sicher nicht  nur daran, dass  die Bokhorster weiter nachhaken und andere Waldkitas im Land betroffen sind. Politprominenz verschiedener Couleur, Kreis und Ministerium   stehen  jetzt Schlange, um die Gesetzeslage landesweit einheitlich zu klären.  Die Aussichten für die Bokhorster und alle anderen Waldkitas im Land auf eine für alle Seiten tragbare und dauerhafte Lösung sind zurzeit besser denn je:  Die Politiker, die jetzt Einsatz zeigen,  eint nämlich  ein  viel  wichtigeres  Ziel: Sie möchten die Landtagswahl im Mai gewinnen!


 

Der Waldkindergarten Bokhorst - Daten:

August 2012: Der Waldkindergarten Bokhorst unter der Trägerschaft der Heilig-Geist-Kirchengemeinde  geht an den Start. Waldbesitzer Harry von Bülow  stellt  seinen Forst „Wildhagen“ zur Verfügung.

April 2015:  Es wird ein Bauwagen – finanziert über  Bingo-Lotto – aufgestellt, für den beim Kreis eine Baugenehmigung eingeholt werden soll. In diesem Zusammenhang verbietet die Untere Naturschutzbehörde nicht nur die Aufstellung des Wagens, sondern stellt die Waldkita in Frage: die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes  werde beeinträchtigt, der Lärm der Kinder verscheuche die Waldtiere,  der Boden werde   durch die Nutzung verdichtet.

5. Oktober 2015: Der Bauwagen soll im Wald bleiben:   Eine Liste mit 1186 Unterschriften wird an den  Petitionsausschuss des schleswig-holsteinischen Landtages übergeben. 400 Unterstützer  haben sich außerdem online beteiligt.  Die Antwort  des Petitionsausschusses:  Es müsse eine Flächennutzungsänderung beantragt werden, dann dürfe der Bauwagen aufgestellt werden. Das wurde Waldkita-Gruppenleiterin Petra Rothenburg-Bahr von den zuständigen Behörden  nicht bestätigt. 

Die  Argumente, die Kinder seien zu laut oder verdichten den Boden, sind allerdings vom Tisch.

15. September 2016:  Die Wald-Kita müsste den Wald verlassen.  Es wird ein Antrag auf Verlängerung ohne Frist gewährt, bis ein neuer Standort für den Wagen  gefunden ist.

13. Januar 2017:  Es ergeht vom Kreis Plön eine Beseitigungsverfügung für den Bauwagen.  Darauf reagiert die Kita: Der Bauwagen soll am 1. Februar entfernt werden.

31. Januar 2017:  Der Kreis Plön teilt in Absprache mit dem  Ministerium   für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume am späten Nachmittag mit:  Es wird erneut geprüft. Der Bauwagen darf unbefristet stehen bleiben.  Möglicherweise ist der Bauwagen im Wald doch forstrechtlich möglich. Und der Kreis legt nach:  Es sei sowieso „keine sofortige Vollziehung dieses Bescheids (vom 13.1., Anm. der Redaktion) angeordnet worden“.

1. Februar 2017: Der Bauwagen wird nach dem Beschluss vom Vortag nun nicht aus dem Wald gezogen.  Es findet eine Kundgebung statt: Kita und Eltern fordern eine dauerhafte Lösung.

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erstellt am 02.Feb.2017 | 08:00 Uhr

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