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Bordesholm : Elektronik-Sammlung läuft schleppend

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nur acht Prozent der Bordesholmer beteiligen sich an dem Versuch / In den weißen Wertstoffsack gehören Metalle, Elektrokartikel, DVDs, CDs

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 07:45 Uhr

Seit Oktober läuft in Bordesholm der Versuch, neben der obligatorischen Mülltrennung die Verbraucher in 1000 von insgesamt rund 3000 Haushalten für eine sortenreine und saubere Erfassung qualitativ hochwertiger Rohstoffe zu gewinnen (der Courier berichtete). Dafür wird keine weitere Tonne aufgestellt, sondern es gibt einen weißen Wertstoffsack. Jetzt wurde eine erste Bilanz gezogen: Nur acht Prozent der Teilnehmer haben mitgemacht.

Initiiert von der Stadtwerke Neumünster Tochtergesellschaft MBA (Mechanisch-Biologische-Abfallbehandlungsanlage) und der Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) unter der Überschrift „Wertstoffsack in Restmülltonne“ bot sich das Gebiet um den Reesenbarg von der Struktur her mit Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser für ein aussagekräftiges Ergebnis an.

Jetzt zogen Dr. Norbert Bruhn-Lobin, Geschäftsführer der MBA, und der betreuende Umwelttechniker Ralf Ketelhut aus Neumünster zusammen mit dem Bordesholmer Bürgermeister Helmut Tiede eine ernüchterne Halbzeitbilanz. Danach machten bislang 80 Personen aus den 1000 Haushalten beim Versuch mit, füllten die 20 Kilogramm fassenden weißen Säcke und legten sie bei der 14-tägigen Abfuhr entweder in oder auf die Restmülltonne. „Unsere Erwartungshaltung lag bei rund 50 Prozent“, sagte Ralf Ketelhut. „Die Endlichkeit der Ressourcen ist längst erkannt. Also müssen wir unsere Abfälle als Rohstoff- und Energiequelle nutzen. Letztlich wird aber die Wirtschaftlichkeitsberechnung darüber entscheiden, ob sich das Modell rechnet und damit zukunftsfähig ist“, sagte Norbert Bruhn-Lobin. Er hofft, dass die Mitmachquote in den nächsten Wochen noch kräftig steigen wird. Wissenschaftlich begleitet wird der Modellversuch vom Institut Stoffstromdesign aus Neumünster. Nachdem die Wertstoffsäcke aus dem Restmüll in der MBA in Neumünster herausgeholt worden sind, findet die eigentliche Sortierung des Inhalts bei Stoffstromdesign statt. Ingenieur Ralf Ketelhut erfasst die gesammelten Mengen an Elektronikschrott, CDs, Metallen und Kunststoffen. „Besonders bei Kunststoff scheint eine Unsicherheit zu bestehen, was genau in den Sack gehört“, sagt Ketelhut. „Hier sind wirklich nur Eimer und Kanister gefragt, kein Spielzeug und auch keine Videocassetten. Die gehörten in den Restmüll“, erklärte er.

Gefragt sind dagegen Metalle, Elektroartikel, DVDs, CDs oder Kunststoff-Hohlkörper, wie zum Beispiel kleine Gießkannen sowie Eimer. Ausgediente Artikel für den täglichen Bedarf sollen so wieder vollständig in den Produktionsprozess zurückgelangen. Das wertet nach Aussage der Initiatoren die Abfallwirtschaft auf, spart wichtige Rohstoffe ein und führt dazu, dass die verarbeitende Industrie ihre Importmengen reduzieren kann. Dass es klappen kann, zeigen die bisherigen Massenanteile in den Wertstoffsäcken. Zu 54 Prozent sind elektronische Sachen in den Säcken. Metall macht 21 Prozent aus, während wiederverwertbares Plastikmaterial zu drei Prozent entsorgt wurde. DVDs oder CDs fielen zu fünf Prozent an. Der Rest war Fremdmaterial. Bewährt sich das System, soll es auch auf die Stadt Neumünster übertragen werden. Zurzeit laufen in vielen Städten und Kreisen im gesamten Bundesgebiet Versuche, die alle in eine ähnliche Richtung gehen. Hintergrund ist das im letzten Jahr in Kraft getretene Kreislaufwirtschaftsgesetz, das eine Verwertung von 65 Prozent der Siedlungsabfälle in Deutschland bis zum Jahr 2020 vorschreibt.

Der MBA-Geschäftsführer verschwieg auch nicht, dass der Modellversuch „ungeliebte Begleiter“ auf den Plan rief, die die Wertstoffsäcke stehlen, um den kostbaren Inhalt zum Beispiel beim nächsten Schrotthändler in schnelles Geld einzutauschen. Die begehen einen klassischen Diebstahl, weil der Inhalt für die Abfallwirtschaft bestimmt ist. Ralf Ketelhut ist an jedem Abfuhrtag unterwegs und sammelt bereits die einfach zugänglichen Säcke ein. Gern steht er Anwohnern dabei auch für Fragen oder Anregungen zur Verfügung.




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