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Ratsversammlung : Einzelhandel warnt vor einer „Lex Nortex“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Verbände und Thomas Brügge sagen: Wenn am Grünen Weg die Sortimente gelockert werden, muss das für alle gelten.

In die Debatte um das Einzelhandelskonzept und die geplante Freigabe einiger Nortex-Sortimente haben sich jetzt die Fachleute der großen Handelsverbände eingeschaltet. Der Tenor ist eindeutig: Wenn die Ratsversammlung am Dienstag eine „Lex Nortex“ schafft, kann sich die Stadt von einer Steuerung des Einzelhandels verabschieden.

Derzeit scheint es eine Mehrheit im Rat dafür zu geben, dem Modehaus am Grünen Weg einige Steine aus dem Weg zu räumen: Nortex soll seine Verkaufsfläche für Schuhe von 800 auf 1600 Quadratmeter verdoppeln und auf 800 Quadratmetern künftig Parfümerie- und Drogeriewaren verkaufen dürfen. Dem benachbarten Edeka-Markt sollen künftig rund 2200 Quadratmeter Verkaufsfläche (statt bisher 1700) für den Getränkemarkt zugestanden werden. Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras und Fachgutachter haben dringend davor gewarnt, weil damit das städtische Einzelhandelskonzept (EHK) aufgeweicht würde (der Courier berichtete).

Das sieht Rainer Bock, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), auch so. „Wenn die Stadt ihr eigenes Konzept nicht mehr ernst nimmt und eine solche Ausnahme macht, war die ganze Arbeit umsonst. Dann kann im Prinzip jeder machen, was er will“, meint Bock. Ex-Lekkerland am Grünen Weg oder das alte Stock-Guss-Gelände an der Rendsburger Straße – „hier könnte sich vielleicht überall Einzelhandel ansiedeln, was bislang von der Stadt immer abgelehnt wurde“, sagt Bock. Das alles ginge zu Lasten der Innenstadt.

In die gleiche Kerbe schlägt Dierk Böckenholt, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Nord. Schriftlich hat er alle Ratsmitglieder vor der Entscheidung gewarnt. Am Grünen Weg sei keine Ausweitung der Sortimente zu begründen; es würden „die Entwicklungsleitlinien der Stadt aufgekündigt“ und „erhebliche Rechtsunsicherheit“ entstehen. Eine Stadt ohne gültiges EHK wäre schlicht „unverantwortliches Verwaltungshandeln“, schreibt Böckenholt.

Thomas Brügge, Inhaber von Möbel Brügge und Neumünsters größter Einzelhändler, würde sich „für die Kollegen von Nortex sehr freuen, wenn sie mehr Freiheiten bekommen. Das wäre richtig und wichtig“. Er sagt aber auch: „Wenn es neue Spielregeln gibt, dann müssen sie für alle gelten.“ Er und andere Geschäftsleute in der Freesenburg hätten von Anfang an leidvolle Erfahrungen mit der Beschränkung der Sortimente gemacht. Diverse Handelsprojekte seien in Neumünster mit Verweis auf das EHK verhindert worden. Solange die Regeln aber verlässlich seien, könne man damit leben – auch wenn Dodenhof und Ikea viel mehr Freiheiten hätten.

Brügge nennt ein Beispiel: „Wir dürfen auf 2500 Quadratmetern Glas, Porzellan, Heimtex und ähnliches verkaufen. Wir hatten eine Verdoppelung beantragt, aber das wurde mit Hinweis auf das Einzelhandelskonzept abgelehnt. Am Tag, nach dem der Rat am Grünen Weg die Ausnahmen zulässt, liegt mein Antrag wieder im Rathaus.“

 

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erstellt am 12.Sep.2014 | 05:00 Uhr

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