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Grossflecken Neumünster : Einzelhändler zahlen Parkgebühr zurück

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neue Aktion in Neumünster: Wer in einem Geschäft der Innenstadt für mindestens zehn Euro einkauft, bekommt 50 Cent seiner Parkgebühren oder seiner Bus- und Bahnfahrkarte erstattet.

Neumünster | Die Umsatzeinbrüche während des Verkehrsversuchs haben die Einzelhändler der Innenstadt zusammenrücken lassen. Nachdem ihr erstes Ziel mit dem Abbruch des Versuchs im November erreicht war, hat sich eine Gruppe weiterhin getroffen und Ideen entwickelt. Eine ist jetzt umgesetzt und an den ersten Ladentüren zu sehen: „50 Cent zurück“.

Wer in einem Geschäft der Innenstadt für mindestens zehn Euro einkauft, bekommt 50 Cent seiner Parkgebühren oder seiner Bus- und Bahnfahrkarte erstattet. Die teilnehmenden Geschäfte zeigen das durch den Aufkleber mit dem rollenden Schwan an der Eingangstür (siehe Foto). „Etwa 30 Unternehmen machen schon mit. Wir verteilen die Aufkleber gerade in der Innenstadt und hoffen, dass ganz viele Händler und Marktbeschicker mitmachen“, sagen Maike Mundt (Blume 2000 am Großflecken) und Eckhart von Stülpnagel (Galerie Dekorat) vom Arbeitskreis des inhabergeführten Einzelhandels rund um den Großflecken. Wer mitmachen möchte, kann sich in den Geschäften Blume 2000, Dekorat, Porzellan Horn oder Uhrenhaus Kamann melden.

Das Ziel der Aktion liegt auf der Hand: Sie soll Kunden binden, neue anziehen und den traditionellen Handel ins Gespräch bringen – gerade vor dem Hintergrund des ECE-Einkaufszentrums und der andauernden Debatte um eine mögliche Sperrung des Großfleckens für den Durchgangsverkehr. „Die halten wir immer noch für die schlechteste Lösung. Die Umsätze des Handels sind damals deutlich eingebrochen. Ein durchfahrendes Auto ist aus unserer Sicht nichts Schlimmes, denn die Fahrer behalten die Innenstadt immerhin im Blickfeld“, sagt Maike Mundt. Das ECE-Center sieht sie durchaus als Chance für Neumünster, aber: „Hoffentlich haben wir damit nicht den Großflecken verkauft.“

Eckhart von Stülpnagel sieht die sanfte Verkehrsberuhigung („Plan B“ der Stadtverwaltung) als sehr gute Lösung an: Durchfahrt erlaubt, aber neue Querungshilfen für Fußgänger. „Statt der vorgesehenen Ampeln schlagen wir Zebrastreifen vor. Das kann man in 14 Tagen umsetzen – zu einem Bruchteil der Kosten von Ampelanlagen. Die Zebrastreifen sollten am besten bis über den Radweg gehen“, meint von Stülpnagel. Selbst Busse bräuchten dann nicht länger über den Großflecken als mit Ampeln.

Aus der Sicht der beiden Unternehmer ist vielen Verkehrsteilnehmern gar nicht klar, dass der Großflecken bereits seit mehr als 20 Jahren eine verkehrsberuhigte Zone ist: Hier gilt Tempo 20. „Wenn alle Auto- und Radfahrer das einhielten, wäre schon viel gewonnen“, meint von Stülpnagel. Der Arbeitskreis der Einzelhändler möchte darum gern (in Absprache mit der Stadt) ein Messsystem anschaffen, das dem Fahrer anzeigt, wie schnell er gerade fährt.

Dazu der Courier-Kommentar:

So wird ein Schuh draus. Die Einzelhändler rund um den Großflecken können nicht nur meckern, sondern viele haben sich zusammengesetzt und Ideen entwickelt, wie man sich als Standort gegenüber dem neuen Einkaufszentrum positionieren kann. Die Nummer mit den Parkgebühren ist schon mal ein guter Anfang. Auch Filialisten sollten ruhig mitmachen. Kein Argument ist: „Das geht technisch nicht!“ Jede EDV-Abteilung in der fernen Konzernzentrale kann Registrierkassen so programmieren, dass beim Kassieren 50 Cent für Parkgebühren abgezogen werden.

Wenn die Neumünsteraner sich beim Bürgerentscheid gegen eine Sperrung des Großfleckens entscheiden, müssen wegen des zunehmenden Verkehrs wohl mehrere Querungshilfen entstehen. Der Zebrastreifen hat in dieser Stadt ja leider keine Lobby, dabei ist er doch eine wirksame, billige Lösung. Das Argument aus dem Rathaus, damit wären die Busse (noch) unpünktlicher, zieht nicht. Und wenn schon: Auf die 30 Sekunden kommt es auch nicht an, wenn man das ganze Problem mit einem Eimer weißer Farbe lösen kann.

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