Neumünster : Einzelfallgenehmigung: Einige Landwirte dürfen Gülle auf ihre Äcker ausbringen

Gülle
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2400 Bauern in SH haben eine Einzelfallgenehmigung beantragt, die es ihnen erlaubt, schon zwei Wochen früher als sonst Jauche zu fahren.

Wegen der schlechten Wetterbedingungen werden die Bauern ihre Jauche nicht los. Die Lagerkapazitäten sind bereits voll.

shz.de von
16. Januar 2018, 07:53 Uhr

Neumünster | Die letzten Wochen waren für Jürgen Weber eine Nervenpartie. Der Landwirt aus Neumünster hat wie die meisten seiner Berufskollegen ein massives Problem, seine Gülle loszuwerden. „Über Weihnachten hatte ich viele schlaflose Nächte“, sagt der 58-Jährige. Jeden Tag fallen bei ihm über zehn Kubikmeter Gülle an, die er nicht ausbringen kann. Das soll sich ab Dienstag ändern. Er ist einer von rund 2400 Bauern im Land, die mit einer Einzelfallgenehmigung schon zwei Wochen früher als sonst Jauche fahren dürfen.

Jürgen Weber (58) hält rund 130 Kühe auf seinem Hof. Seit November hat der Landwirt ein großes Problem, seine Gülle auszubringen.
Foto: Gunda Meyer
Jürgen Weber (58) hält rund 130 Kühe auf seinem Hof. Seit November hat der Landwirt große Probleme, seine Gülle auszubringen.

„Das habe ich noch nie erlebt, die Lagerbehälter haben bisher immer ausgereicht“, sagt Weber, der schon seit 1983 seinen Milchviehbetrieb mit 130 Kühen in der Gartenstadt hat. Seine Lagerkapazitäten reichen für sechs Monate.

Frühzeitig Gülle auf den Acker zu bringen, sei nichts Neues, erklärt der Agrarberater Jan-Oke Sacht, der mit Jürgen Weber am Montag die Formalien für das Ausbringen klärte. „Wer im Herbst wegen der Witterungsbedingungen seine Gülle nicht ausbringen kann, darf generell im September einen Antrag auf so eine Sondergenehmigung stellen.“

Als Notmaßnahme kann nun der Antrag auch kurzfristig gestellt werden. Für die Genehmigung gibt es aber klare Vorgaben: Die Bauern müssen nachweisen, dass sie die im Düngemittelgesetz vorgeschriebenen Lagerkapazitäten vorhalten. Außerdem müssen sie 14 Tage vor dem Beginn der regulären Sperrfrist am 1. November mit der Düngung aufgehört haben, erklärt Heinz Tiedemann vom Landwirtschaftsministerium.

Der Landwirt bereitet seinen Güllewagen vor.
Foto: Gunda Meyer
Der Landwirt bereitet seinen Güllewagen vor.

Gedüngt werden darf aber nur, wenn der Boden nicht tiefgefroren, mit Schnee bedeckt oder wassergesättigt – also voller Pfützen – ist. „Je nach Nährstoffgehalt der Gülle ergeben sich unterschiedliche Ausbring-Mengen zwischen 15 und 20 Kubikmeter je Hektar“, so Tiedemann.

Ob Jürgen Weber und seine Berufskollegen auf die Äcker dürfen, bestimmt der Auftaubericht des Deutschen Wetterdienstes. „Wenn dieser ankündigt, dass den Tag über der Boden auftauen wird, dürfen die Landwirte fahren“, erklärt der Agrarberater Sacht. Weber will sich aber eine langfristigere Lösung überlegen: „Ich werde wohl mehr Lagerkapazität schaffen.“

Das hat sein Berufskollege Carsten Dahmke bereits getan. Der Gartenstädter hat sich vor knapp zwei Jahren einen Tank mit einem Fassungsvermögen von 6000 Kubikmetern bauen lassen. „Das hat sich amortisiert, ich habe keine Lagerprobleme“, so Dahmke. Allerdings sei so ein Tank eine große Investition. 150.000 Euro hat der Landwirt dafür bezahlt. „Das kann sich nicht jeder Betrieb leisten, ich sehe da Handlungsbedarf der Landesregierung, dass der Bau von Tanks gefördert wird“, sagt Dahmke.

 

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