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Holsteinischer Courier

16. Dezember 2017 | 04:31 Uhr

Einsilbiges Bier geht einfach besser

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Jürgen von der Lippe machte sich lustvolle Gedanken über die Sprache / Theater in der Stadthalle war ausverkauft

von
erstellt am 23.Feb.2016 | 11:55 Uhr

„Meine Damen, meine Herren, heute Abend geht‘s um Sprache“. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Über die Quintessenz dessen, was in den nächsten zweieinhalb Stunden zu erwarten sei, klärte Jürgen von der Lippe sein Publikum gleich zu Beginn der Show auf. Am Sonntagabend präsentierte der Entertainer sein Soloprogramm „Wie soll ich sagen...“ vor 570 Gästen im ausverkauften Theater in der Stadthalle.

„Der dicke, alte Mann“, wie er sich selbst in einem Nebensatz nannte, ist ein Phänomen. Nicht nur, dass er Besucher aller Generationen mit seinen Ideen und Gedanken begeistert – Jürgen von der Lippe erfindet Kunstfiguren wie den Berliner Heavy-Metal-Proleten Kalle, schnappt sich mal eben seine Gitarre, um mit den Stimmen von Peter Maffay, Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer den weißen Vectra als Kutsche zum Himmel zu besingen, und er plaudert derart frech und charmant mit seinen Gästen, dass es ihm problemlos gelingt, „freie Mitarbeiter“ für kleine Spiele auf die Bühne zu holen. Ganz verschiedene Formate waren das, aber alle unter der Überschrift Sprache.

„Mich beeindruckt Heidi Klum“, verriet Jürgen von der Lippe. „Die hat ja so eine ganz hohe Stimme, aber das Beeindruckendste an ihr ist, dass sie den Plusquamperfekt benutzt, wo das Präteritum hingehört“, erläuterte der gebürtige Westfale. „Sie fragen sich jetzt bestimmt: ,Warum wühlt das den dicken, alten Mann so auf‘ – Na, ich war mal Deutschlehrer gewesen“, grinste der Fernsehmoderator.

Jürgen von der Lippe versteht es, andere auf die Schippe zu nehmen und sich selbst gleich mit. Im Zuge einer verordneten Diät riet ihm sein Arzt, dem Essen einen Abschiedsbrief zu schreiben „Hab ich gemacht. Der Brief an sich ist ja schützenswert“, sagte der Komiker. Seitenlang sei das Schreiben gewesen. Sogar ein Post Skriptum habe er angefügt – PS: Ich vermisse dich!

Immer wieder machte er unerwartete Schlenker, die das begeisterte Publikum mit großem Applaus und lautem Gelächter quittierte. Jürgen von der Lippe strahlte. Er schien Freude an seinen Neumünsteraner Gästen zu haben, auch wenn er sie aufforderte, die Refrains seiner Lieder rund um die Sprache mitzusingen. „Liebe Leber, lebe lieber, lebe hoch. Und der Rest von meinem ollen Körper ooch.“ Dem Biergenuss scheint der 67-Jährige nicht abgeneigt, aber rein muss es sein, bitte schön. Grapefruit und Zimt haben im Gerstensaft nichts zu suchen. „Und: Bier hat einsilbig zu sein“, forderte der Komiker. Bier habe ja die Eigenschaft, dass man nach mehr verlange. „Können Sie mir mal verraten, wie Sie Ihr fünftes Köstritzer Pils bestellen wollen?“, fragte er das lachende Publikum. „Bud, Dab, Flens, die kann man problemlos nachbestellen, die Namen kriegt man raus. Auch ein Kölsch kriegt man raus – nur leider nicht rein“, grinste Jürgen von der Lippe.

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