CDU : Einheitspartei, gespalten, versöhnt

Wahlkampf in den 1970er-Jahren mit dem CDU-Bundesvorsitzenden Helmut Kohl, Landtagspräsident Helmut Lembke, Stadtpräsidentin Alexandrine von dem Hagen und Herbert Möller.
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Wahlkampf in den 1970er-Jahren mit dem CDU-Bundesvorsitzenden Helmut Kohl, Landtagspräsident Helmut Lembke, Stadtpräsidentin Alexandrine von dem Hagen und Herbert Möller.

Der Ehrenvorsitzende Herbert Möller und CDU-Urgestein Werner Holling blicken auf die Anfänge der CDU in Neumünster vor 70 Jahren

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08. Juli 2015, 09:00 Uhr

Neumünster | In Berlin feierte die Christlich Demokratische Union Deutschlands mit einer „Woche der CDU“ ihren 70. Geburtstag. In Neumünster liegen die Anfänge der CDU etwas später. CDU-Urgestein Werner Holling (88) und der Ehrenkreisvorsitzende Herbert Möller (92) erinnern sich.

Beide erlebten die Entwicklung der Christdemokraten zunächst von außen und kamen über den Umweg im Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) zur CDU. Holling trat der CDU 1954 bei, Möller 1958.

Keimzelle der CDU in Neumünster war im Herbst 1945 die von von der britischen Militärregierung genehmigte Deutsche Demokratische Partei, die sich kurz danach Demokratische Einheitspartei Neumünster nannte und auch in der ersten eingesetzten Ratsversammlung vertreten war. Am 23. Februar vermeldete das Anzeigenblatt für Neumünster im Verlag Karl Wachholtz ihren Anschluss an die CDU.

„Die CDU stellte mit Ludolf Behnke 1946 den ersten frei gewählten Oberbürgermeister nach dem Krieg, mit Karl Rahe 1955/56 erstmals auch den Stadtpräsidenten“, sagt Werner Holling. Herbert Möller erzählt eine Geschichte zum Schmunzeln, denn 1952 spaltete sich die einst als Demokratische Einheitspartei gestartete CDU praktisch in zwei Lager. „Es gab ein christlich-soziales Lager um die Brüder Gerlich. Das waren vor allem Vertriebene. Die andere Gruppe waren alteingesessene Neumünsteraner wie Moritz-August Schiffer. Das war das bürgerlich-christliche Lager“, weiß Möller.

Es gab also quasi eine Ratsversammlung mit zwei CDU-Fraktionen, die nicht miteinander konnten und auch unterschiedlich tagten. „Die Sozialen bei Harder in der Bahnhofstraße, die Bürgerlichen im Hotel Harms an der Friedrichstraße“, sagt Möller. 1959 hatte die CDU durch den internen Zwist nur noch 12 von damals 39 Sitzen im Rat. Herbert Gerisch führte dann als Fraktionsvorsitzender beide Lager wieder zusammen.

Ein Grundelement für den Erfolg der CDU ist für Herbert Möller das Vertrauen in die Politik Konrad Adenauers, sprich: die Westorientierung Deutschlands, den Lastenausgleich und die Wirtschaftspolitik von Ludwig Erhard. „In Neumünster verkörperte diese Politik der langjährige Kreisvorsitzende, Landtags- und Bundestagsabgeordnete Hans Blöcker“, so Möller. Wichtig sei auch die Überwindung der konfessionellen Spaltung zwischen Protestanten und Katholiken sowie der Ausgleich zwischen Einheimischen und Vertriebenen gewesen. Möller: „Bis in die 50er-Jahre lebten am Stover noch Menschen in Erdbunkern, die von der Wehrmacht stammten, und Vertriebene in den Nissenhütten am Ehndorfer Platz.“

Möller zog 1962 in die Ratsversammlung ein und erinnert sich an eine Einladung von Stadtpräsident Max Johannsen (SPD), der den politischen Newcomer kennen lernen wollte und ihm dann ins Stammbuch schrieb: „Merken Sie sich, junger Mann: Neumünster wird von Tungendorf aus regiert.“

Politische Scharmützel mit der SPD gab es etliche. 1974 erreichte die CDU erstmals die absolute Ratsmehrheit im vormals roten Neumünster und stellte mit Alexandrine von dem Hagen Neumünsters erste Stadtpräsidentin. „Grund war die völlige Zerstrittenheit der SPD“, sagt Werner Holling. Die Bild-Zeitung titelte „Neumünster: SPD stürzte in den Keller“. In Bonn wirkte die Affäre um Kanzleramtsspion Guillaume nach, in Neumünster rumorte der Streit um Stadthalle und Rathaus.

Holling: „Die SPD wollte zuerst das neue Rathaus und keine Stadthalle.“ OB Dr. Uwe Harder (SPD) habe den Kompromiss gefunden. „Es gab erstmal von beiden den ersten Bauabschnitt – und als Beigabe den Bebauungsplan für den neuen Stadtteil Ruthenberg“, so Holling. 1978 war die SPD mit 21 Sitzen wieder stärkste Fraktion, aber CDU (20 Sitze) und FDP (2) setzten wichtige Entscheidungen wie den Bau des Hauses der Jugend oder die Schließung des Inneren Rings durch den Stadtwald durch. In der folgenden Legislatur brachte die CDU den Baubeschluss für die Stadthalle durch.

„Die CDU Neumünster hat dabei immer politisches Spitzenpersonal geliefert“, sind sich Möller und Holling einig und nennen weitere Politiker wie Klaus Haller, Ex-Landtagspräsident Torsten Geerdts und den früheren Ratsfraktionsvorsitzenden und aktuellen CDU-Landeschef Ingbert Liebing.

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