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Geschichtswettbewerb : Einfelder Grundschüler gewinnen Landespreis

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Klasse 3a nahm am „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten“ teil. Die Jungen und Mädchen erforschten den Schulalltag von Menschen mit Behinderungen in früheren Zeiten.

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erstellt am 25.Jun.2015 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die Freude ist den Jungen und Mädchen der Klasse 3a der Grund- und Gemeinschaftsschule Einfeld ins Gesicht geschrieben. Die Kinder hatten gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Ursula Holetzke am „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten“ teilgenommen und gehören zu den sieben Landessiegern in Schleswig-Holstein.

„Anders sein. Außenseiter in der Geschichte“ lautete das Thema, mit dem sich die Klasse auseinandersetzen musste. Wie das geschehen sollte, war für die Schüler schnell klar. Die Drittklässler haben in ihren Reihen einen Mitschüler, der von Geburt an körperbehindert ist. „Ich habe eine Spastik in den Beinen und habe daher Schwierigkeiten beim Laufen“, erklärt der neunjährige Luka.

Ausgehend von seiner Situation fragten sich die Schüler, wie ein Schultag von Luka ausgesehen hätte, wenn er vor 30 oder 50 Jahren geboren wäre. Für ihre Nachforschungen legten sich die Schüler mächtig ins Zeug. Sie sahen sich Filme an, forschten im Internet und sammelten Ideen. Im Mittelpunkt der Arbeit standen diverse Gespräche mit Zeitzeugen. „Wir hatten beispielsweise Besuch von einem ehemaligen Lehrer und Schulleiter einer Schule für körperbehinderte Jugendliche. Er hat uns erzählt, dass diese Kinder früher in Krankenanstalten zur Schule gingen“, erinnert sich Kati. Weiteren Besuch erhielten die Kinder von der kleinwüchsigen Steffy Franz und dem spastisch behinderten Kay Howe, die in den 70er- und 80er-Jahren in die Matthias-Leithoff-Schule für körperbehinderte Jugendliche in Lübeck gingen. Beide berichteten den Kindern offen aus ihrem Alltag. „Frau Franz sprach immer von ihrer Einschränkung, daher haben wir das Wort übernommen. Es gefiel uns viel besser als das Wort Behinderung“, sagt Jule.

Gemeinsam besuchte die Klasse zudem die Lilli-Nielsen-Schule in Kiel, ein Förderzentrum für körperliche und motorische Entwicklung im Stadtteil Mettenhof. Dort lernten die Kinder unter anderem den Umgang mit einem Therapie-Hund kennen und absolvierten ein Training für Rollstuhlfahrer.

Von November bis Januar arbeiteten die Schüler jeden Mittwoch in einer Doppelstunde an ihrem Projekt, in den letzten Wochen bis zum Abgabetermin Ende Februar waren die Jungen und Mädchen täglich im Einsatz, um ihre Arbeit fertig zu bekommen. Entstanden ist ein 20 Seiten starkes Werk, bestehend aus Berichten, Fotos und fiktiven Tagebucheinträgen von Lukas Schultagen im Jahr 1965, 1985 und 2015.

Ein Einsatz, der die Jury überzeugte. Als vor Kurzem die Bestätigung eintrudelte, dass die Klasse zu den Landessiegern in Schleswig-Holstein gehört, war die Begeisterung grenzenlos. „Wir haben alle laut gekreischt und uns riesig gefreut“, sagt Jule. Insgesamt wurden in Schleswig-Holstein 43 Beiträge eingereicht, bundesweit waren es 1563.

Nicht nur Lehrerin Ursula Holetzke betrachtet die Teilnahme an dem Wettbewerb als wertvolle Erfahrung. „Die Arbeit war nicht leicht, aber wenn man jetzt sieht, was daraus geworden ist, ist das toll“, sagt Kati. Ihre Mitschülerin Emily ergänzt: „Wir haben gelernt, dass jeder Mensch anders ist. Nicht jeder kann alles gleich gut.“ Für die neunjährige Jule steht fest: „Wir sollten alle ein Auge auf andere Menschen haben – und nicht nur auf Dinge wie tolle Handys.“ Und auch Luka, der im Mittelpunkt des Projektes stand, ist glücklich: „Am schönsten war für mich, dass mir die anderen so viele Fragen gestellt und sich für mich interessiert haben.“

Die Schüler werden am 6. Juli im Kieler Landtag von Landtagspräsident Klaus Schlie und Dr. Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, ausgezeichnet. Neben einer Urkunde erhält die Klasse ein Preisgeld von 250 Euro.

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