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Jahresempfang : Einfelder bereiten sich auf Flüchtlinge vor

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Beim Empfang der Kirchengemeinde Einfeld stand das Thema Flüchtlinge ganz im Vordergrund. Begegnungen sollen Ängste abbauen

shz.de von
erstellt am 19.Jan.2016 | 07:00 Uhr

Neumünster | „Gute Nachbarn – schlechte Nachbarn 2.0: nebenan oder mittendrin?“ Unter diesem Motto hatte die Kirchengemeinde Einfeld am Sonntag zu ihrem Jahresempfang in die Christuskirche geladen. „Auch in Einfeld werden wir neue Nachbarn bekommen, ab Oktober werden Flüchtlinge dauerhaft in Neumünster leben“, sagte Sven Radestock. „Wir werden heute keine politischen Bewertungen machen“, informierte das Mitglied des Kirchengemeinderates die 200 Gäste. „Wir wollen uns die Frage stellen: Wie werden wir unsere neuen Nachbarn empfangen?“, so Radestock.

Antje William hatte darauf in ihrer Ansprache bereits eine klare Antwort: „Wer Verantwortung übernimmt, blickt froh in die Zukunft“, sagte die Pastorin. „Auch wir Christen können das Leben verändern. Die Kraft kommt aus Gott. Wir dürfen niemals die grenzenlose Hoffnung verlieren“, meinte Antje Williams. Auch der Einfelder Dieter Koeppsell war zuversichtlich: „Nach dem Krieg kamen 12 Millionen Flüchtlinge in ein völlig zerstörtes Deutschland. Einfeld wuchs 1946 innerhalb eines Jahres von 1000 auf 4500 Einwohner. Mitte der 90er-Jahre kamen viele Russlanddeutsche ins Land. Beides haben wir geschafft“, sagte der 77-Jährige, der selbst als Flüchtlingskind nach Einfeld kam.

Rike Müller äußerte sich skeptischer. Sie sehe einen Umschwung in der Gesellschaft. Nicht in ihrer Arbeitsstätte, der Flüchtlingsberatung beim Diakonischen Werk Altholstein, aber im Alltag. Immer häufiger erlebe sie Menschen, die ihre diffusen Ängste vor Fremden äußerten, sagte die Sozialpädagogin.

„Ängste sind wichtig. Sie schützen uns“, erklärte Kirsten Elis. Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie wies jedoch darauf hin, dass diffuse Ängste immer mit der Realität abgeglichen werden müssen. Bei Angst vor Fremden riet sie zu Begegnungen. „Die Menschen suchen Schutz. Auch sie haben große Ängste. Auch davor, dass alle über einen Kamm geschoren werden“, sagte das Mitglied des Einfelder Kirchengemeinderates. Einschätzungen, die Ann-Cathrin Necker-Püschel vom Haart-Café unterstrich: „Wir müssen einander kennenlernen, dann verschwinden auch die Ängste.“

„Einfeld ist gut vernetzt. Es kommt nun auf jeden von uns an. Wenn ich mir die vielen Besucher heute ansehe, bin ich zuversichtlich“, beendete Moderator Sven Radestock den anderthalbstündigen Empfang.


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