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Bürgerpreis-Nominierung für Einfelder : „Einfeld ist schön und ein gesunder Stadtteil“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hans-Joachim Genz ist in der engeren Wahl für den schleswig-holsteinischen Bürgerpreis / Er will das Netzwerk im Stadtteil stärken

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2017 | 11:00 Uhr

Neumünster | Der Einfelder Hans-Joachim Genz (62) ist in die engere Wahl für den schleswig-holsteinischen Bürgerpreis gekommen (der Courier berichtete). Er ist damit einer von acht Nominierten zum Schwerpunktthema „Vorausschauend engagiert: real, digital, kommunal“, die aus 50 Bewerbungen ausgewählt wurden. Der Wettbewerb findet zum 14. Mal statt und wird von den schleswig-holsteinischen Sparkassen und dem Sozialausschuss des Landtages ausgeschrieben und soll das ehrenamtliche Engagement in den Fokus rücken. Hans-Joachim Genz ist privater Betreiber der Internetpräsenz „www.nms-einfeld.de, aber auch Initiator diverser Aktionen im Stadtteil Einfeld, in dem etwa 8000 Menschen wohnen. Unserem Redaktionsmitglied Gabriele Vaquette verrät er, was ihn motivierte, dies alles in seiner Freizeit zu tun.

Was bedeutet die Nominierung für den Bürgerpreis für Sie?

Mir persönlich nicht viel, aber für Einfeld ist das schön, weil meine Tätigkeit die anderen Ehrenamtlichen im Stadtteil unterstützen soll.

Was hat Sie motiviert, die über 500 Seiten starke Internetpräsenz mit über 30  000 Fotos und vielen Informationen ins Leben zu rufen?

2006 habe ich angefangen, 2008 ist die Internetpräsenz ans Netz gegangen. Man hatte mir gesagt, dass das „Wir-Gefühl“ in Einfeld fehlt. Bei 8000 Einwohnern kann man das nicht zurückholen. Trotzdem habe ich den Versuch unternommen, dass man wieder miteinander spricht und gemeinsam etwas für den Stadtteil tut und etwas bewegt.

Sie haben auch nicht-virtuelle Projekte angeschoben, welche sind das beispielsweise?

Schon vor dem Internet-Projekt habe ich mich für die Umgestaltung des Marktplatzes als Mittelpunkt des Stadtteils engagiert, das lief über den Einfelder Krims-Krams. Angestoßen habe ich auch beim Strandfest zum Beispiel das Kuhfladen-Roulette, das ist eine Art lustige Tombola, bei der auf dem Marktplatz Zahlenfelder mit Kreide aufgezeichnet wurden und eine Galloway-Kuh eines hiesigen Bauers darüber getrieben wurde. Die Einfelder konnten darauf setzen, auf welchem Feld die Kuh ihre Fladen hinterlässt.

Sie haben auch Aktionen mit Kindern aus dem Stadtteil initiert.

Das war zum Einen die Aktion „Ich sehe was, was Du nicht siehst. Ich war acht Jahre lang Ratsherr für die Statt-Partei, bis 2003. Die Politik ist verpflichtet, Kinder und Jugendliche zu beteiligen. Daraus entstand die Idee, die Kinder mit 33 Digitalkameras, die ich über Sponsoren besorgt hatte, durch den Stadtteil zu schicken.

Die fünf Klassen der Grund- und Gemeinschaftsschule Einfeld haben 550 Fotos aufgenommen von guten und verbesserungswürdigen Plätzen und Orten, zum Beispiel von Mülleimern, dreckigen Papierkörben am Einfelder See oder angezündeten Parkbänken. Als Folgeprojekt sammelten die Grundschüler eineinhalb Jahre später mit 300 Eimern einen ganzen Container voller Müll aus dem gesamten Stadtteil.

Warum ist es so wichtig, dass auch Kinder sich so in ihrem Stadtteil engagieren?

Wenn ich nur am Smartphone hänge, sehe ich nicht, wie schön oder auch verbesserungswürdig es links und rechts ist. So lernen die Kinder, dass sie entweder das Papier aufheben oder es gar nicht erst hinwerfen, sie lernen, Verantwortung für ihre nächste Umgebung zu übernehmen.

Sie wollen vor allem die Ehrenamtlichen unterstützen und vernetzen. Wie funktioniert das?

Ohne das Ehrenamt läuft das menschliche Zusammenleben nicht. Das können der Fußballtrainer, die Ehrenamtlichen in der Altenpflege oder die Nachhilfe-Engagierten sein. Ich sehe meine Funktion darin, dass ich rechts und links schaue, wer was macht und wer was benötigt. Diejenigen, die leise sind, brauchen Hilfe. Ich frage, wo es hakt, wer was braucht, gebe Unterstützung mit Finanzen oder Presseberichten, suche Preise für eine Tombola oder auch Sponsoren. Es bedeutet auch, dass ich Ehrenamtlichen ein Feedback gebe. So haben die Betreiber des Kirchencafés nach der Schließung von mir Gästehandtücher mit dem Aufdruck „MEinfeld“ als Dankeschön bekommen.

Hat Ihr Projekt jetzt Früchte getragen?

In Einfeld ist das jetzt besser, es gibt ein Netzwerk, zu dem Polizei, Schule, Sportverein, Jugendfreizeitheim und Kirche gehören. Die Resonanz ist gut, das Netzwerk und das Wir-Gefühl wachsen. Das Ziel ist noch nicht erreicht, aber wir sind auf einem guten Weg.

Sie leben seit über 30 Jahren in Einfeld. Wenn Sie durch den Stadtteil gehen, was hat sich verändert, was nicht?

Einfeld ist ein gesunder Stadtteil, wir haben alles, allerdings nur einen Kaufmann. Von der Altersstruktur her gibt es kein Problem. Wir haben viel Nachwuchs, wir überaltern nicht, es gibt auch ein Miteinander von Alt und Jung. Zum Beispiel gab es das Projekt „Jung bildet Alt aus“, bei dem Kinder Senioren am PC angelernt haben. Das gab Impulse, einige Senioren gingen in den Senioren-Computer-Club. Das ist ein Indikator für ein lebendiges Miteinander im Stadtteil.

Haben Sie Lieblingsplätze in Einfeld?

Ich liebe alle Plätze. Einfeld ist schön, und ich möchte nichts bevorzugen.

Welche Hobbys haben Sie, wenn Sie sich nicht um Projekte und Internetpräsenz kümmern?

Ich mache morgens meine Radtour, gerne auch in die Umgebung von Neumünster und in Schleswig-Holstein, da kann man prima nachdenken. Ich schwimme außerdem. Und Einfeld ist mein Hobby (lacht).

Aber die Reihenfolge ist wichtig: Erst kommt meine Gesundheit, dann meine Ehefrau Birgitt, die mir immer den Rücken stärkt. Wir feiern unseren 40. Hochzeitstag – und deswegen vertritt mich Stadtteilvorsteher Sven Radestock auf der Preisverleihung am 1. November in Kiel.

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