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Oratorium : Eine Würdigung für Eduard Müller

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die katholische Gemeinde St. Maria-St. Vicelin ließ zum Stadtjubiläum das Oratorium „Ans Licht“ aufführen und erinnerte an vier Märtyrer.

Neumünster | „Dieses Oratorium müssen wir unbedingt nach Neumünster holen.“ Da war sich Julia Weldemann sofort sicher, nachdem sie die Uraufführung des musikalischen Werkes „Ans Licht“ vor zwei Jahren in der Hamburger Pfarrkirche St. Joseph gehört hatte. Am Sonntagabend war es dann soweit.

„Das Oratorium zu den Lübecker Märtyrern sollte auf jeden Fall an einem Tag aufgeführt werden, an dem es einen Akzent setzt“. Auch das war der Gemeindereferentin der katholischen Pfarrkirche St. Maria-St. Vicelin wichtig. „Ans Licht“ zeigt die geistliche Haltung und die theologische Reflexion der Lübecker Märtyrer im Angesicht ihres nahen Todes auf. Die katholischen Kaplane Johannes Prassek, Hermann Lange, Eduard Müller und der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink wurden im Frühjahr 1942 wegen systemkritischen Äußerungen in Lübeck inhaftiert, im Juni 1943 kommt es vor einer Kammer des Volksgerichtshofes zum Prozess, am Abend des 10. November 1943 ab 18 Uhr werden die vier Geistlichen innerhalb weniger Minuten nacheinander mit dem Fallbeil enthauptet.

Dass die Verurteilten in ungebrochener Haltung aufrecht und gottergeben in den Tod gingen, davon zeugen ihre Abschiedsbriefe – auch die von Eduard Müller. Am 20. August 1911 wurde er in Neumünster geboren und eine Woche später in der heutigen katholischen Pfarrkirche St. Maria-St. Vicelin getauft. Müller, der aus armen Verhältnissen stammte, engagierte sich schon früh in der Jugendarbeit. Mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde nahm er ein Theologiestudium auf. Seine erste Messe als Priester feierte er am 28. Juli 1940 in Neumünster.

„Das Stadtjubiläum erschien uns der richtige Zeitpunkt, um diesen außergewöhnlichen Sohn Neumünsters zu würdigen“, erklärte Julia Weldemann. Das schienen die 150 Besucher, die zur Aufführung des Oratoriums in die katholische Kirche gekommen waren, ebenso zu sehen. Andächtig und sichtlich ergriffen lauschten sie dem Libretto von Klaus Lutterbüse, bestehend aus Predigten des Bischofs von Münster, aus Bibelversen und vor allem aus den Briefen und Gebeten, die die vier Lübecker Märtyrer aus der Haft an Freunde und Verwandte schickten.

Komponist Andreas Willscher schuf eine aufwühlende Musik, wobei er die Briefe den Vokalsolisten zuordnete und die Gedichte und Bibelpassagen in die Verantwortung des Chores legte. Beide Bereiche gelangen sowohl den Solisten Wiebke Krull und Nikola Vatterrodt (beide Sopran), dem Bassisten Max Heyn und dem Tenor Gustavo Edo sowie dem Projektchor „Lux aeterna“ unter der Gesamtleitung von Organist Norbert Hoppermann ausgesprochen gut. Die Violinistin Tatiana Dreibrodt und die Cellistin Sigrun R. Albert überzeugten mit ausdrucksstarken Spiel. Trotz tiefer Betroffenheit über die Schicksale der Märtyrer spendeten die Besucher großen Beifall für die musikalische Glanzleistung. 

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erstellt am 28.Apr.2015 | 07:30 Uhr

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