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Kinobühne : Eine wirklich komische Mordstrategie

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Über 80 Besucher erlebten bei der ausverkauften Kinobühne im Theater in der Stadthalle das meisterhafte Stück „Leg ihn um – ein Familienfest“

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2014 | 06:30 Uhr

Regisseur Jan Georg Schütte stellte auf der jüngsten Kinobühne einen Film vor, der an Skurrilität und schwarzem Humor kaum einen Wunsch offen ließ. Die mehr als 80 Gäste auf der ausverkauften Theaterbühne in der Stadthalle waren begeistert. Immer wieder gab es Lacher über besonders überraschende Szenen und ihre filmische Auflösung.

Die Story: Familienpatriarch August Manzl (hervorragend Hans-Michael Rehberg) ist schwer erkrankt und hat nur noch eine kurze Lebensfrist. Keinem seiner erwachsenen Kinder traut er seine Nachfolge zu und überrascht sie mit einem zynischen Erbe-Plan: „Wer den Alten bis Sonntag um die Ecke bringt, kriegt die Firma, die Villa und die Kohle. Schafft’s keiner, ist das Erbe futsch.“ Bei dem, was Schütt unter dem Titel „Leg ihn um – ein Familienfest“ inszenierte, um den Willen des Alten „umzusetzen“, stürzten die Zuschauer von einer skurrilen Situation in die nächste, sie erlebten teuflische Mordpläne, die mit totaler Situationskomik immer wieder daneben gingen.

Das lag zum einen an den schauspielerischen Leistungen, aber auch an der besonderen Produktionsweise von Schütte, die er am Ende des Filmes erläuterte: „Ich lasse die Akteure einfach eine Szene spielen, über die wir vorher mit wenigen Stichpunkten gesprochen haben. Sie entwickeln selbst das Spiel, die Situation.“ Erst danach entsteht ein Drehbuch, und vielfältige Schnittarbeit bringt dann die überraschenden Effekte. Die Filmschnitte sind meist kurz vor dem Höhepunkt einer Mordstrategie, perfekt auf den Punkt gebracht und immer wieder von stark eingreifender Musik unterstützt. Für Schütte ist der Kameramann „der erste Zuschauer“, und so erlebten die Kinofans auch Momente, in denen der Kameramann auf fast nebensächliche Filmszenen blendete oder auch Wackler im Film produzierte. Das ist von Schütte gewollt: „Damit bekommt das Spiel eine besondere Atemlosigkeit“, antwortete er auf eine Zuschauerfrage zu den Wacklern. Arne Sommer, der Leiter der Filmwerkstatt Kiel, führte mit dem Regisseur das Gespräch.

Vor Beginn des Filmes besprach Kulturbüro-Leiterin Johanna Göb mit den Gästen eine Veränderung im Ablauf der Kinobühne, da die Nachfrage nach Eintrittskarten bei jeder Vorstellung größer ist als die Zahl der Plätze auf der Theaterbühne. Es gab große Zustimmung, ab kommender Saison um 17 Uhr und 20 Uhr den jeweiligen Film zweimal an einem Abend zu spielen.


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