Sinfonieorchester : Eine unterhaltsame Reise durch die Musikgeschichte

Auf Tuchfühlung mit dem Publikum:  Die Musiker des Sinfonieorchesters der Musikschule Neumünster konzentrierten sich auf ihre Noten.
Auf Tuchfühlung mit dem Publikum: Die Musiker des Sinfonieorchesters der Musikschule Neumünster konzentrierten sich auf ihre Noten.

Das Sinfonieorchester der Musikschule spielte Werke aus Renaissance, Klassik und Moderne.

shz.de von
22. Januar 2015, 09:00 Uhr

Neumünster | „Schön, dass es in Neumünster so ein kleines, feines Sinfonieorchester gibt, das uns klassische Musik näher bringt“, meinte Maike Cartens-Behrens unmittelbar nach dem Konzert. 45 Besucher schienen gleicher Ansicht wie die Wasbekerin zu sein. Tosender Applaus und begeisterte Bravo-Rufe waren der Lohn für die Darbietung des Sinfonieorchesters der Musikschule am Dienstagabend im ehrwürdigen Caspar-von-Saldern-Haus.

20 Musiker schart Orchesterleiter und Dirigent Sven Thomas Haase seit nunmehr 6 Jahren um sich. Zumeist sind es ambitionierte Laien, aber auch Profis wie die Violinistinnen Tatiana Dreibrodt und Antje Kausemann gehören zum Ensemble. Wöchentlich wird geprobt und einmal im Jahr gibt das Orchester ein öffentliches „Werkstattkonzert“, wie Haase es in seiner Begrüßung nannte. „Werkstatt auch deshalb, weil wir nicht für alle Werke, die komplette Besetzung haben. Was uns fehlt, sind Hörner und Posaunen“, erklärte der Kantor der Anscharkirche.

Der Qualität des vielfältigen Programms durch die Epochen der Musikgeschichte tat dieses kleine Manko keinen Abbruch. Los ging es mit der Renaissance. Damit die Besucher in den Genuss französischer Renaissance-Tänze aus dem 17. Jahrhundert kommen konnten, hatte das Orchester auf eine Instrumentierung von Paul Hindemith, einem Vertreter der Moderne, zurückgegriffen. Trompete und Geigen ersetzten Zinken und Lauten. Ein weicher, voller Klang unter dem konzentrierten Dirigat von Sven Thomas Haase erfüllte den Saal des Caspar-von-Saldern-Hauses bereits beim ersten Stück.

Besonders der zweite Tanz, mit seinem schönen Dialog zwischen Streichern und Bläsern, gelang den Musikern außerordentlich gut. Es folgte die Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis“ von Christoph Willibald Gluck. „Musik in den Dienst der Dichtung zu stellen“, lag dem 1714 geborenen Komponisten der Klassik besonders am Herzen. Folgerichtig führte Trompeter Rüdiger Kaiser wortgewandt in die dramatische Geschichte rund um Troja, Agamemnon und seine Tochter Iphigenie ein, bevor das Orchester die Geschichte musikalisch umsetzte.

Danach wurde es im Konzertsaal modern: Zwei der ungewöhnlichen „Acht Stücke für Orchester nach japanischen Versen“ des 1921 geborenen Komponisten Lukas Haug hatten sich die Sinfoniker vorgenommen und setzten sie mit perfekten Einsätzen gekonnt um. Bevor es ans letzte Stück des Abends, die Ouvertüre zu Beethovens „Egmont“ ging, gab es wiederum eine Einführung. Kenntnisreich und mit verschmitztem Wortwitz klärte die Flötistin Christiane Harms-Rohwer das Publikum über die historischen Hintergründe des Grafen Egmont auf.

„Wunderbar“, urteilte Friederike Fröhling nach dem Konzert. „Durch die Geschichten wurde das abwechslungsreiche Programm richtig lebendig. Die japanischen Verse brachten Würze und die Egmont-Ouvertüre interpretierten die Musiker, wie es Stoff und Zeit angemessen ist: hochdramatisch und sehr kraftvoll.“

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