Boostedt : Eine Schule nur für Flüchtlinge

Die „Stammschule“  in Boostedt an der Twiete hat nun eine Außenstelle in der Erstaufnahmeeinrichtung.
Die „Stammschule“ in Boostedt an der Twiete hat nun eine Außenstelle in der Erstaufnahmeeinrichtung.

Die Zweigstelle der Boostedter Grund- und Gemeinschaftsschule in der Erstaufnahmeeinrichtung hat ihr Arbeit aufgenommen.

shz.de von
03. März 2018, 10:00 Uhr

Boostedt | Die Zweigstelle der Boostedter Grund- und Gemeinschaftsschule in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber hat ihre Arbeit aufgenommen. Das berichtete die Schulleiterin Dagmar Drummen jetzt auf Anfrage. „Die Schülerzahlen schwanken, es sind zurzeit zwischen 140 und 160 Schüler, die Tendenz steigt“, sagte sie.

Auf dem Gelände der ehemaligen Rantzau-Kaserne stehen zwei Gebäude bereit, in denen zehn bis zwölf Lehrkräfte mit unterschiedlicher Stundenzahl die schulpflichtigen Kinder zwischen sechs und 15 Jahren unterrichten. Die Kinder kommen aus Syrien, Afghanistan, Serbien, Armenien, dem Jemen, Somalia, dem Iran, Albanien, dem Irak und der Türkei. „Die Unterschiedlichkeit der Kinder ist eine besondere Herausforderung, sie sind zum Teil anders sozialisiert und traumatisiert. Deswegen bilden sich die Lehrkräfte in dieser Richtung weiter“, schilderte Dagmar Drummen die anspruchsvolle Aufgabe der Lehrer.

Je nach Sprachfortschritt und Alphabetisierung sind die Kinder in acht Lerngruppen eingeteilt: Es lernen die 6- bis 10-Jährigen und die 11-bis 15-Jährigen miteinander. Dolmetscher stehen im Unterricht nicht zur Verfügung, erläutert sie weiter: „Deutsch ist die Unterrichtssprache. Mathematik oder Sachkunde, aber auch Musik und Kunst vermitteln wir immer auf Deutsch. Manche Kinder greifen, wenn sie sich verständigen wollen, auf Englisch zurück, aber die Lehrer machen dann darauf aufmerksam, dass sie Deutsch lernen sollen.“

Vom Deutschen Roten Kreuz, das die Asylbewerber in der Erstaufnahmeeinrichtung betreut, erhalten die Lehrer Listen mit den Namen der Kinder, die zum Unterricht erscheinen müssen. Und was passiert, wenn die Kinder fehlen, weil ihren Eltern Schulpflicht aus dem Heimatland nicht bekannt ist? „Dann schließen wir uns mit dem DRK zusammen und erklären das den Eltern. Es ist aber bisher nicht vorgekommen.“ Im Gegenteil: „Mein Eindruck ist, dass die Kinder sehr motiviert sind, sie kommen regelmäßig und wollen lernen“, berichtete die Schulleiterin.

Weil in Deutschland die Schulpflicht gilt, müssen alle Kinder beschult werden, egal, wie ihre Bleibeperspektive hier ist. Das gilt auch für diejenigen, die mit ihren Eltern wieder ausreisen.

„Eine enge Verzahnung beider Standorte und Transparenz ist mir ganz wichtig. Deswegen werden auch Schüler und Eltern der Stammschule die Außenstelle besuchen können“, betonte die Schulleiterin.

Im November 2017 war ein Eilantrag aus dem Bildungsministerium nach Boostedt verschickt worden mit der Forderung, die Schule und die Gemeinde als Trägerin sollten bis Ende dieses Jahres eine Außenstelle in der Erstaufnahmeeinrichtung schaffen (der Courier berichtete).
Bis 31. Dezember 2017 gab es eine Flüchtlingsschule auf dem Gelände, um die Beschulung kümmerte sich die Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände, deren Vertrag dann ausgelaufen war.

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