Fürsthof : Eine Oase mitten im Stadtzentrum

Architektin Jutta Koch und Anlieger Karsten Janssen stehen auf dem Fürsthof, der heute Fußgängerzone ist. „Trotzdem fahren hier noch viele Autos durch, vor allem Taxen“, sagt Janssen.
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Architektin Jutta Koch und Anlieger Karsten Janssen stehen auf dem Fürsthof, der heute Fußgängerzone ist. „Trotzdem fahren hier noch viele Autos durch, vor allem Taxen“, sagt Janssen.

Vor 30 Jahren wurde der Fürsthof zur verkehrsberuhigten Zone: Stadtplanerin Jutta Koch und Anlieger Karsten Janssen erinnern sich.

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04. Juni 2014, 06:00 Uhr

Neumünster | Proteste des Einzelhandels gegen eine Verkehrsberuhigung am Großflecken? Baufirmen, die deutlich länger brauchen als vorgesehen wie in der Wasbeker Straße? Karsten Janssen lacht: „Das ist alles nicht neu, das hat es hier in dieser Straße alles schon mal gegeben.“ Seit 1842 betreiben die Janssens ein Geschäft am Fürsthof. Früher war es noch eine Töpferei, in sechster Generation verkauft und repariert Karsten Janssen nun Kamine und Öfen. An die Umgestaltung der zu den ältesten Straßen Neumünsters gehörenden Gasse vor 30 Jahren zur Fußgängerzone kann er sich noch gut erinnern.

„Vorher war das hier eine zweispurige Straße. Auf der einen Seite parkten in der Regel Autos, das war schon recht eng. Vor allem Fußgänger hatten kaum Platz“, sagt Janssen. 1983 wurde Neumünster erstmals in das Städtebauförderungsproramm des Landes aufgenommen. Zum Fördergebiet gehörte auch der Fürsthof, der damals dringend neue Abwasserkanäle brauchte. Oberbürgermeister Dr. Uwe Harder und sein Stadtbaurat Rolf-Dieter Kamp setzten sich in diesem Zusammenhang für eine Verkehrsberuhigung ein, wobei „die Lösung der Verkehrsprobleme wohl neben der Verbesserung der baulichen Gestaltung im Vordergrund steht“, wie es in der Einladung zur Bürgeranhörung hieß. Geplant war zunächst eine sogenannte Mischfläche, auf der sich Fußgänger, Radfahrer und motorisierter Verkehr gleichberechtigt nebeneinander bewegen sollten. Auf diese Weise wollte die Stadtverwaltung den Nebenarm des Großfleckens vom Durchgangsverkehr befreien und „entsprechend seiner ursprünglichen Bedeutung“ beleben. „Wir als Geschäftsinhaber waren sehr kritisch und befürchteten Umsatzeinbußen. Doch unser Protest wurde nicht gehört“, sagt Janssen. Und er schiebt hinterher: „Einige Geschäfte haben geschlossen, andere dafür aufgemacht. Letztlich hat es uns nicht geschadet.“

Für Architektin Jutta Koch (73) war die Umgestaltung des Fürsthofes die erste Aufgabe, als sie 1983 bei der Stadtplanung im Bereich Stadtsanierung anfing. „Das war schon interessant. Ich saß an meinem Schreibtisch an den Plänen und habe mit einem Lineal die Straße nachgezeichnet. Dabei ist mir als erstes aufgefallen, dass sie etwas geschwungen ist“, erinnert sie sich. Wichtig sei ihr bei der Umgestaltung gewesen, den Autoverkehr durch versetzt angelegte Anpflanzungen und eine enge, ebenfalls geschwungene Fahrbahn zu verbannen. Ihre Ideen zeichnete sie in einer Vorher-Nachher-Skizze auf der Einladung zur Bürgeranhörung auf. Wichtige Punkte: Der ursprüngliche Charakter der Straße sollte beibehalten und die vorgefundenen Straßenbaumaterialien sollten wiederverwendet werden. Und der Natur wurde mehr Platz eingeräumt. „Rosenstöcke vor den Häusern und zwei größere Bäume dienen dazu, den freundlichen Eindruck der nur sechs Meter breiten Straße zu betonen“, erklärt Koch.

Bei den folgenden siebenmonatigen Arbeiten blieben Pannen nicht aus. „Eine Firma musste ein ganzes Stück Kopfsteinpflaster nachträglich noch einmal aufnehmen, weil es einfach zu schlecht verlegt war. Das hat Zeit gekostet“, erinnert sich Karsten Janssen. Vernünftig findet er das Pflaster auch heute noch nicht. „Die Abstände sind zu groß, die Rillen werden durch die Straßen-Kehrmaschine immer weiter ausgehöhlt.“ Einzig der Bornholmer Klinker auf den Fußwegen lade zum Flanieren ein. „Eine Flaniermeile ist der Fürsthof aber nie geworden, dafür fehlen hier einfach die Geschäfte“, sagt Janssen. Dennoch habe die Straße einen großen Reiz. „So eine ruhige Oase mitten im Zentrum ist schon etwas Besonderes. Das gibt es in Neumünster kein zweites Mal.“ 370 000 Mark kostete die Baumaßnahme, die mit der Freigabe am 2. Juni 1984 um 10 Uhr ihren Abschluss fand. Damals präsentierte sich die Straße zur Holstenköste auch als Spezialitätenstraße.

Ihre Geschichte indes ist deutlich älter. Schon im Erdbuch – eine Art Grundbuch – von 1709 wird der Fürsthof erwähnt, benannt nach dem Grobschmied Joachim Först, der an der Ecke zum Großflecken ansässig war. 1912 für 10 438,06 Reichsmark gepflastert, blieb der Ausbauzustand bis 1983 im wesentlichen unverändert.

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