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Bugenhagenkirche : Eine Liebe auf den zweiten Blick

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Bugenhagenkirche wird 50 Jahre alt – das wird am 31. Oktober gefeiert. Im September 1989 gab es einen tragischen Todesfall.

Neumünster | Als Chantal Schierbecker die Bugenhagenkirche am Hansaring zum ersten Mal betrat, fielen ihr sofort die Betonpfeiler ins Auge. „Da habe ich noch so gedacht: ,Na ja!‘. Aber der Charme der Kirche erschließt sich erst beim zweiten Mal, und irgendwann habe ich angefangen, sie wirklich zu mögen“, erinnert sich die Diakonin. 50 Jahre wird die Bugenhagenkirche nun alt, und Chantal Schierbecker steckt mitten in den Vorbereitungen für das große Kirchweihfest am Sonnabend, 31. Oktober.

Alle Gruppen und Kreise der Gemeinde machen mit, jeder hat sich eine Aktion ausgedacht. Zum Beispiel versteckt das Team der Kindertagesstätte einige Kirchenmäuse, und die Besucher machen sich auf die Suche. „Die Empore ist schön duster, die eignet sich besonders“, sagt Chantal Schierbecker. Jetzt, während der Kinderbibelwoche, spielen die Lütten hin und wieder mit der Diakonin auch Verstecken in der Kirche.

Ursprünglich war Bugenhagen als dritte Stadtkirche gedacht, damals auch für die Bundeswehr in Neumünster. Darum ist sie mit mehr als 400 Plätzen vergleichsweise groß geraten.

„Ich mag die Herzlichkeit meiner Gemeinde“, sagt Pastorin Maike Windhorn-Stolte über Bugenhagen. Die Kirche und die Menschen darin bilden für sie eine Einheit. So wie die Architektur der Kirche mittelalterliche mit modernen Stilelementen verbindet, sieht Maike Windhorn-Stolte auch ihre Gemeinde: „Bei uns treffen Menschen, die neu im Stadtteil sind, auf welche, die schon immer hier wohnen. Wir feiern klassischen Gottesdienst mit modernen englischen Songs der Jugendband.“

Auch beim Kirchweihfest sollen junge auf ältere Menschen treffen, ehemalige Nachkriegsflüchtlinge auf neu Zugezogene. „In dieser Offenheit meiner Gemeinde ist vieles möglich“, sagt die Pastorin. Bei Kaffee und Kuchen sollen beim Kirchweihfest im neuen Gemeindesaal alle zusammensitzen und klönen. „Wir mussten anbauen, weil wir einfach mehr Platz brauchen“, sagt Alf Schneede, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderates. Die Pfadfinder, der Jugendtreff und das Amtszimmer der zweiten Pastorin Susanne Hansen sollen unter anderem im Anbau unterkommen. Im 70 Quadratmeter großen Gemeindesaal vergewissert Alf Schneede sich, wie die Malerarbeiten voran gehen. Schließlich wird hier in anderthalb Wochen Kuchen wie vor 50 Jahren serviert: saftige Streuselkuchen oder der legendäre Kalte Hund.

Schneede wurde in der Bugenhagenkirche schon konfirmiert und bereitet mit dem Kirchengemeinderat für den Festtag ein Stadt-Land-Fluss-Spiel vor. „Das wird bestimmt eine runde Sache, wenn alle zusammenkommen, völlig ungezwungen und fröhlich“, sagt er.

Das Fest beginnt mit einem Gottesdienst zum Reformationstag um 15 Uhr. Darin wollen die Gruppen der Gemeinde aus Puzzleteilen ein riesiges Kreuz zusammenlegen, das extra getischlert wurde und einen Ehrenplatz in der Kirche einnehmen soll. Zu den Feierlichkeiten haben sich auch der damalige Architekt der Kirche, Friedrich W. Hain, und Pastor Heinz Wischnewski angekündigt, der seinerzeit den Bau begleitet hat. Das anschließende Aktionsprogramm mit Sinnes-Parcours, Pilzbestimmung, Erzählstand für alle Erlebnisse rund um die Kirche und vielem mehr dauert bis 18.30 Uhr. Dann gibt der Chor Cantica ein Abschlusskonzert in der Kirche. Cantica, wie auch ein Gospelchor, probt regelmäßig in den Räumen der Gemeinde.

Bestimmt wird am 31. Oktober aber auch an den wohl schwärzesten Tag in der Geschichte der Kirche erinnert. Im September 1989 war der zehnjährige Danny bei einer Mutprobe an der Kirche zu Tode gekommen. Er war an den vorstehenden Ziegelsteinen hochgeklettert und dann abgestürzt. Sofort danach ließ Propst Johannes Jürgensen die Steine abschlagen.

Die Bugenhagenkirche wurde am 31. Oktober 1965 nach rund drei Jahren Bauzeit von Bischof Friedrich Hübner feierlich eingeweiht. Sie ist unter anderem mit sogenannten Handstrichziegeln errichtet, die aus der ehemaligen Boostedter Ziegelei stammen. Vorgängerin der Bugenhagenkirche ist eine Kapelle im Stadtteil, die heute als Archiv des Kirchenkreises genutzt wird.

 

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erstellt am 26.Okt.2015 | 12:00 Uhr

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