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Familienfreundliche Stadt : Eine Lanze für junge Väter brechen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Lokale Bündnis für Familien will Männern den Weg ebnen, die bei der Erziehung ihrer Kinder mehr Verantwortung übernehmen wollen

Neumünster | Die Zeiten ändern sich – oder doch nicht?

Ein Beispiel: Eine berufstätige Frau ruft ihren Chef an. Ihre kleine Tochter ist erkrankt, ob sie etwas später kommen könne? Ein moderner Personalchef wird die Mitarbeiterin vielleicht trösten: „Kümmern Sie sich um Ihr Kind, melden Sie sich, wenn Sie alles geregelt haben.“ Kann sein, dass er das auch sagt, wenn der Mann anruft. Kann aber auch gut sein, dass er in diesem Fall mit einer Gegenfrage kommt: „Wieso, ist Ihre Frau nicht da?“

Keine Frage, auch Neumünsteraner Betriebe, die etwas auf sich halten , sind in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt familienfreundlicher geworden, gehen auf die familiären Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter mehr und mehr ein, wie zuletzt etwa der Aufbau eines Netzwerkes zur Notfallbetreuung von Mitarbeiterkindern eindrucksvoll belegte (der Courier berichtete). Schließlich – das hat sich herumgesprochen – profitieren auch die Firmen, wenn sie attraktive Konditionen anbieten, um gute Mitarbeiter zu locken oder zu halten.

Das hat in den vergangenen Jahren vor allem den Frauen geholfen, Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen. Aber was ist mit den Männern? Bekommen sie im Gegenzug auch die Chance, sich mehr um die Familie zu kümmern?

Das Lokale Bündnis für Familien, das sich seit nunmehr über zehn Jahren um eine familienfreundliche Stadt bemüht, will dieser Frage auf den Grund gehen: In welchen Unternehmen kommt man den Männern entgegen, die ihre Vaterrolle ernst- und wahrnehmen wollen? Welche Angebote gibt es für sie, und wie werden sie angenommen?

Firmen und Unternehmen, die sich angesprochen fühlen, sind aufgerufen, sich beim Lokalen Bündnis zu melden. Das Bündnis will besonders vorbildliche Unternehmen am 5. Juli zu einem öffentlichen Forum einladen, auf dem beispielhaft vorgestellt werden soll, wie „Väterfreundlichkeit“ im Betrieb gelebt werden kann.

Gleichzeitig sollen sich dort Institutionen und Verbände vorstellen können, die berufstätige Männer in ihrem Wunsch, die Vaterrolle intensiver auszuleben, beraten und unterstützen.

Auch sie sollten sich bis 26. Juni beim Koordinator der Aktion Jörg Asmussen melden: joerg.asmussen@neumuenster.de. Das öffentliche Forum am 5. Juli – ein genauer Ort steht noch nicht fest – soll dann interessierten Vätern und modernen Unternehmen gleichermaßen Mut machen, den Vorbildern nachzueifern.

Am wachsenden Bedarf „väterfreundlicher Arbeitsplätze“ haben Experten keinen Zweifel. Immer mehr junge Väter wollen sich mit der traditionellen Rolle als purer ökonomischer Versorger der Familie nicht mehr zufrieden geben, sondern streben eine „aktive Vaterschaft“ an, wollen ihre Kinder aktiv begleiten, erziehen und umsorgen.

Wahr ist allerdings auch, dass Väter im Schnitt heute noch immer 42 Stunden (Mütter 27 Stunden ) pro Woche im Arbeitsleben stehen – für eine aktive Vaterschaft somit nur wenig Zeit bleibt. Wunsch und Wirklichkeit klaffen also noch weit auseinander.

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erstellt am 19.Jun.2016 | 09:00 Uhr

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