Negenharrie : Eine Kur für das Dosenmoor

Das Dosenmoor ist eine einmalige Kulturlandschaft.
Foto:
1 von 3
Das Dosenmoor ist eine einmalige Kulturlandschaft.

Das Moor wird auf Vordermann gebracht, Dämme erhöht, Wiedervernässung soll vorangetrieben werden. Etwa 230 000 Euro sind veranschlagt.

shz.de von
10. Mai 2015, 07:00 Uhr

Neumünster | Das Dosenmoor bei Neumünster ist eines der am besten erhaltenen Hochmoore Schleswig-Holsteins und soll renaturiert werden. In erster Linie geht es dabei um die Vernässung des Moores. Die Pläne dafür wurden in Negenharrie vorgestellt. Schon im Herbst könnte das Projekt gestartet werden.

Viele Bulten (mit Gräsern oder Moos bewachsene Bodenerhebung) und einen noch vielfältigeren Lebensraum als heute: So wünschen sich die Planer die Zukunft des Moores. Wichtigster Baustoff hierfür ist Wasser. Neue Torfmoose und Glockenheide könnten das Moor erobern. Schlenken gefüllt mit Wasser könnten brummend Libellen zur Eiablage einladen, und eine neue und vielfältigere Tier- und Pflanzengesellschaft könnte das Dosenmoor bevölkern.

Im Alten Haeseler in Negenharrie wurde das Projekt während einer Informations- und Diskussionsrunde vorgestellt. Gut 50 Landbesitzer, Jäger und Interessierte waren gekommen, um sich das Zukunftsprojekt Dosenmoor anzusehen und zu hören, welche Veränderungen zu erwarten sind. Hintergrund der jetzt angelaufenen Planung sind unter anderem drohende Verschlechterungen im Dosenmoor und überfällige Managementpläne, die jetzt aus Brüssel von der Europäischen Union per Klage eingefordert werden, erklärten die Moderatorin Vera Breuer und Jutta Walter von der Stiftung Naturschutz.

„Angesprochen sind hier unter anderem sogenannte Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH), die Europäische Vogelschutzrichtlinie und das Schutzgebietssystem Natura 2000“, wie Hans-Joachim Kaiser als Ansprechpartner für den Moorschutz im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume erklärte. Zum Moorschutzprogramm des Landes gehört auch die Erhaltung und mögliche Verbesserung der Strukturen im Dosenmoor bei Neumünster. „Eine deutliche Zustandsverbesserung erhoffen sich die Planer durch eine Wiedervernässung des Moorkörpers“, so Kaiser. Rund 320 Hektar des insgesamt rund 500 Hektar großen Moores gehören der Stiftung Naturschutz. „Damit lag es nahe, die Planung in die Hände der Stiftung zu legen“, meinte Kaiser.

„Das Dosenmoor ist ein Glücksfall“, sagte Moorbetreuer Friedwart Pütz, Ingenieur bei der Unteren Naturschutzbehörde in Neumünster, zum aktuellen Zustand des Moores. Hier sei trotz Torfabbaus, der in den 1980er-Jahren eingestellt wurde, ein sechs bis acht Meter mächtiger Torfkörper erhalten geblieben. Dennoch mache das Moor Sorgen. Besonders im Südwesten sind die vorhandenen Dämme nicht mehr hoch genug, weichen auf und könnten bei einem Starkregen brechen.

„Das muss nicht sein“, sagt Bauleitplaner Holger Mordhorst aus Nortorf. Eine Wiedervernässung des Moores sei machbar, meinte der Planer, der 30 Jahre Erfahrung mitbringt. „In anderen Mooren hat sich die Anlage Wasser haltender Dämme bewährt“, erklärte Mordhorst.

Läuft alles rund, könnte bereits im Herbst mit dem ersten Bauabschnitt im Dosenmoor begonnen werden, sagte Jutta Walter. Rund 230 000 Euro dürfte das Projekt in der ersten Phase kosten. Auf die privatwirtschaftlich genutzten landwirtschaftlichen Flächen sollen die Arbeiten und Vorhaben keine Auswirkungen haben. Das betreffe etwa extensiv genutzte Weide- oder Grünlandflächen, die als Einzelflächen in das Moor hineinragen oder an dessen Rand liegen.

Durch die Anlage der neuen Wälle, die unter anderem mit einem besonders verfestigten Kern das Wasser deutlich besser halten als einfache Torfdämme, dürfte sich die Vernässung besonders im Kern des Moores bemerkbar machen, erklärte Planer Holger Mordhorst. Der heutige Moorwald soll dabei als Schutzgürtel und Lebensraum erhalten bleiben. „Der Bau der ersten Dämme könnte relativ schnell in wenigen Wochen erledigt sein, wenn es keine unerwarteten Hindernisse gibt“, meinte Mordhorst. Insgesamt, so die Planer, könnte die Entwicklung sich über gut zehn und mehr Jahre hinziehen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen